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Barça im Finale - Milan hadert mit Merk

Barcelona (dpa) - 27.04.2006, 13:14 Uhr

Barcelonas Spieler jubeln über ihren Einzug in das Champions-League-Finale.
Barcelonas Spieler jubeln über ihren Einzug in das Champions-League-Finale.

Ronaldinho contra Jens Lehmann: Der beste Fußballer der Welt wird mit dem FC Barcelona im Finale der Champions League das Abwehrbollwerk des deutschen Nationaltorwarts beim FC Arsenal London auf die Probe stellen.

Der spanische Meister zog mit einem hart erkämpften 0:0 im Halbfinal-Rückspiel gegen den AC Mailand (Hinspiel 1:0) ins Endspiel ein. Dort treffen Ronaldinho & Co auf Arsenal, das sich am Vortag ebenfalls mit einem torlosen Remis gegen den FC Villarreal durchgesetzt hatte.

Die Katalanen feierten ihre erste Endspielteilnahme seit zwölf Jahren so überschwänglich, als hätten sie das Finale am 17. Mai in Paris gegen die Lehmann-Elf bereits gewonnen. Lehmanns Rekord von 745 Minuten ohne Gegentreffer scheint sie nicht zu schrecken. Während Tausende von Barça-Fans bis tief in die Nacht im Zentrum von Barcelona den Erfolg ihrer Elf im «vorgezogenen Endspiel» bejubelten, haderte der AC Mailand mit Schiedsrichter Markus Merk.

«Der Deutsche hat uns um den verdienten Einzug ins Finale gebracht», tobte Milan-Trainer Carlo Ancelotti nach dem Spiel. Der Ärger der Italiener entzündete sich an einem Tor von Andrej Schewtschenko in der 69. Minute, das Merk wegen eines angeblichen Fouls des Ukrainers nicht gelten ließ. «Der Schiedsrichter wirft Milan raus», titelte «La Gazzetta dello Sport».

Für die Italiener war der Zahnarzt aus Kaiserslautern der Sündenbock. Dabei sahen sie geflissentlich darüber hinweg, dass Merk dem Milan-Kapitän Alessandro Costacurta bei einer Notbremse gegen Barça-Torjäger Samuel Eto'o die Rote Karte ersparte und es bei «Gelb» bewenden ließ. Ancelotti erklärte sein Team zum moralischen Sieger und trat auch noch nach: «Am Ende pfiff Merk 30 Sekunden zu früh ab. Vielleicht hatte er es eilig, nach Hause zu kommen.»


Der FC Barcelona dagegen schwelgte in Euphorie. Immerhin hatte der Club seinen Angstgegner ausgeschaltet, der im Finale 1994 dem Dream Team des damaligen Trainers Johan Cruyff mit 4:0 das Fell über die Ohren gezogen hatte. Manager Txiki Beguiristain, der damals selbst in der Barça-Elf gestanden hatte, meinte nun siegessicher: «Wir sind stark genug, Arsenal zu schlagen.» Dagegen war Trainer Frank Rijkaard, der 1994 das Milan-Trikot getragen hatte, bemüht, die Euphorie zu dämpfen: «In einem Finale gibt es keinen Favoriten.»

Die für ihren Offensivfußball gerühmten Teams boten den 96 000 Zuschauern im Camp-Nou-Stadion ein packendes Spiel. Trotz der Dramatik war die Partie von einer beispielhaften Fairness geprägt. Merk kam mit zwei Gelben Karten aus. Die Spanier feierten als Helden des Tages den «ewigen Ersatzmann» Andrés Iniesta. Das Mittelfeldtalent mit der auffallend blassen Haut überstrahlte als Regisseur sogar den Weltstar Ronaldinho.

Die Partie zog die Spanier so sehr in den Bann, dass sie sogar die Arbeit des Parlaments beeinflusste: Die Sozialisten verloren im Oberhaus eine Abstimmung nur deshalb, weil mehrere Abgeordnete vor dem Fernsehgerät saßen.

Der AC Mailand steht mit seiner überalterten Elf - Costacurta war zwei Tage vor dem Spiel 40 Jahre alt geworden - vor einem Neuaufbau. Zunächst einmal scharte sich Italien jedoch solidarisch um seine tragischen Helden. «Addio Milan - die Champions League ist verhext», titelte die «La Repubblica» und erinnerte an die traumatische Finalniederlage des Vorjahres, als Milan gegen den FC Liverpool einen 3:0-Vorsprung verspielte und im Elfmeterschießen verlor.

Die Zeit der Abrechnung wird aber kommen: Spätestens wenn Milan in der Serie A Juventus Turin trotz seiner furiosen Aufholjagd nicht mehr überholen kann und das zweite Jahr in Folge ohne Titel bleibt. Der allmächtige Club-Besitzer Silvio Berlusconi mag nämlich keine Verlierer. Auch die eigene Niederlage bei den Wahlen in Italien ließ ihn nicht milder werden. Ancelottis Stuhl wackelt, und wenn Juve wieder vor Milan Meister wird, dann kippt er.

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