Irres Comeback rettet Peps Triple-Mission

München (dpa) - 17.03.2016, 13:17 Uhr
Irres Comeback rettet Peps Triple-Mission
Die Bayern träumen weiter vom Triple. Foto: Sven Hoppe

Pep Guardiola reckte die Fäuste in die Höhe, warf seiner Ehefrau Cristina Kusshände zu. Überwältigt von einem unvergesslichen Abend und grenzenlos erleichtert pries der Katalane die «deutsche Mentalität».

Es war zwar nur der für die Münchner längst gewohnte Viertelfinaleinzug, aber dieses irre Comeback bescherte dem auf seine Bayern-Krönung hoffenden Guardiola auch ohne brillanten Fußball eine Nacht der großen Emotionen. Meisterschaft, DFB-Pokal, Champions League - das Titel-Triple ist für ihn und den deutschen Rekordmeister weiter möglich.

«Wir brauchen zwei oder drei Tage, um das zu realisieren. Wir haben vier Tore geschossen gegen eine italienische Mannschaft - wow!», sagte der am Saisonende nach drei Jahren scheidende Guardiola berauscht von der verrückten Aufholjagd beim 4:2 nach Verlängerung. Trotz eines 0:2-Horrorstarts mit eklatanten Abwehrschwächen kamen die Bayern im Achtelfinal-Rückspiel gegen Juventus Turin furios zurück.

Verzückt vom verrückten Spielverlauf mochte sich der 45-Jährige nicht groß mit dem nächsten Gegner auseinandersetzen. Sein Herzensclub FC Barcelona könnte zugelost werden. Aber auch ein brisantes Aufeinandertreffen mit seinem zukünftigen Verein Manchester City oder ein deutsches Duell mit Wolfsburg sind möglich. «Das Los ist mir egal. Alle Mannschaften haben ihre Qualität, aber wir sind da», sagte der ermattete Guardiola, der in der Nacht zum Donnerstag mehr als zwei Stunden nach dem Schlusspfiff gedankenversunken seinen Dienstwagen durch München steuerte.

Guardiola kann auf einen glorreichen Abschied hoffen, der FC Bayern auf eine grandiose Saison. «Wir sind in allen drei Wettbewerben im Rennen. Wir leben noch, wir leben unseren Traum», resümierte Karl-Heinz Rummenigge nach einem Sieg mit «Moral und Charakter». Die Torjäger Robert Lewandowski (73. Minute) und Thomas Müller (90.+1) retteten die Münchner in die Verlängerung, in der die Joker Thiago (108.) und Kingsley Coman (110.) die Münchner endgültig in Ekstase versetzten.

Mitten in der überbordenden Freude fühlte sich Vorstandschef Rummenigge bemüßigt, eine befremdliche Titeldebatte zu beruhigen. Angesprochen auf eine Aussage von Ex-Präsident Uli Hoeneß, wonach Guardiola unbedingt das Triple gewinnen wolle, hatte Matthias Sammer abgewiegelt. Der Wunsch sei ja in Ordnung, aber die vierte Meisterschaft sei «historisch gesehen das große Ziel», betonte der Sportvorstand. «Dass wir das Triple gewinnen sollen, ist dummes Zeug. Nicht mehr und nicht weniger», erklärte Sammer.

Geschmeckt haben dürften dem vor gut zwei Wochen aus dem Gefängnis entlassenen Hoeneß die deutlichen Sammer-Worte nicht. «Da hat der eine den anderen ein bisschen missverstanden», meinte Rummenigge. Das Triple sei «so selten wie die blaue Mauritius, möglicherweise noch seltener», sagte der Vorstandsvorsitzende. Nicht auszudenken, wie dieser Diskurs bei einem Ausscheiden fortgeführt worden wäre.

Statt sich nach dem Halbfinal-Scheitern gegen Real Madrid (2014) und Barcelona (2015) nun nach einem frühen Achtelfinal-Aus einem Fußball-Tribunal stellen zu müssen, konnte Guardiola bei der Presserunde nach Mitternacht mit einem verschmitzten Lächeln über dunkle deutsche Sportstunden parlieren. «Ich kenne die Geschichte deutscher gegen italienische Mannschaften», erinnerte der Katalane etwa an bittere EM- und WM-Niederlagen der DFB-Elf sowie Bayern-Knockouts in der Königsklasse.

«99 Prozent der Leute denken, es ist schon vorbei. Aber wir glauben immer bis zum Ende an uns. Wir sind Bayern München», verkündete Lewandowski. Dieser Glaube, «noch was ganz Verrücktes zu schaffen», habe ihm in der Vorsaison beim Halbfinal-Aus gegen Barcelona noch etwas gefehlt, bemerkte Sammer. Er wies auch diesmal auf Missstände hin. Denn erschreckende Abwehrschwächen lassen ein jähes Ende auf dem Weg zum Finale am 28. Mai in Mailand weiterhin befürchten.

«Da muss man ruhiger bleiben, keine Fehler machen. Das müssen wir lernen. Sonst wird es irgendwann nicht reichen», sagte Sammer, ohne die Ausfälle der Innenverteidiger Jérôme Boateng, Javi Martínez und Holger Badstuber als Entschuldigungsgrund anzuführen.

Nun warten die Bayern gebannt auf den nächsten Gegner. Im Kampf um «Image, Geld, Meriten» sei aber dringend wie zum Beispiel im Tennis eine Setzliste nötig, erklärte Rummenigge. «Ich muss offen und ehrlich sagen: Irgendwann reicht's mir mit dem Schicksal.»

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