Dietmar Hamann jubelt über ein Tor in der Champions League gegen Leverkusen.
Dietmar Hamann feiert mit dem Einzug ins Champions League-Finale sowie der überraschenden Berufung für den Confederations Cup ein bemerkenswertes Comeback, und er sieht sich bestens gerüstet für die Höhepunkte der Saison.
Vor wenigen Wochen noch als Auslaufmodell abgestempelt, ist er plötzlich wieder in aller Munde. «Mein Knie ist in Ordnung, und die Fitness ist auch von Tag zu Tag besser geworden», sagte der Mittelfeldstratege des FC Liverpool, den vor zwei Monaten ein Innenbandriss zurückgeworfen hatte, vor dem Champions League-Endspiel gegen den AC Mailand.
Ein Sieg im Atatürk-Stadion wäre «ganz sicher» der größte Erfolg seiner Karriere, sagt Hamann: «In den vergangenen Jahren haben wir zwar mit Liverpool den FA-Cup und den UEFA-Pokal gewonnen, aber 20 Jahre nach Heysel die Champions League zu gewinnen, wäre für mich absolut überwältigend.» Bei der letzten Final-Teilnahme der «Reds» im Landesmeister-Wettbewerb war es am 29. Mai 1985 durch Liverpool-Hooligans zur furchtbaren Tragödie mit 39 Todesopfern gekommen.
«Für die Menschen in Liverpool bedeutet dieses Finale unheimlich viel, die ganze Stadt ist im Champions League-Fieber», hat Hamann beobachtet. Die glorreiche Zeit des FC, als zwischen 1977 und 1984 gleich vier Mal die begehrteste Trophäe des Clubfußballs an die Anfield Road wanderte, liegt schließlich schon Ewigkeiten zurück.
Immerhin schon seit sechs Jahren gehört Hamann zum Team des 18-maligen englischen Meisters, 250 Spiele hat er seitdem für den Traditionsclub absolviert. Möglicherweise ist das bevorstehende Endspiel zugleich die Abschiedsvorstellung des 31-Jährigen, dessen Vertrag zum Saisonende ausläuft. Liverpool möchte den Kontrakt lediglich um ein Jahr verlängern, Hamann will zwei Jahre bleiben.
Nach eigenen Angaben hat er «noch einige andere Anfragen», unter anderem von den Bolton Wanderers. Auch eine Rückkehr in die Bundesliga schließt der frühere Münchner nicht aus, obwohl er meint: «Ich denke nicht, dass es erforderlich ist, in Deutschland zu spielen, um bei der WM dabei zu sein.»
Grundstein wären vielmehr überzeugende Vorstellungen beim bevorstehenden Comeback in der Nationalelf. «Ich war schon überrascht, dass ich nun beim Confederations Cup dabei bin», sagte er zum Anruf von Klinsmann, der ihn am vergangenen Montag telefonisch auf dem Golfplatz über die Rückkehr in die DFB-Auswahl informiert hatte. «Mit Didi kommt eine Spielerpersönlichkeit zurück», begründete der Bundestrainer die Berufung des 58-maligen Nationalspielers, den er in seiner Amtszeit bisher nicht berücksichtigt hatte.
Schließlich galt Hamann in der Öffentlichkeit als einer der Hauptschuldigen am EM-Debakel vor einem Jahr in Portugal, als einer, der das Tempo verschleppte anstatt das Spiel schnell zu machen. Vieles von der Kritik sei ungerechtfertigt, meint Hamann rückblickend: «Nach der missglückten EM wurden Sündenböcke gesucht. Das ist immer so - und dann trifft es manchen eben härter. Deswegen stecke ich den Kopf nicht in den Sand.» Vielmehr hofft er, dass das vermeintliche Auslaufmodell noch einmal groß in Mode kommt.