Marseille kämpft um letzte Chance
Paris (dpa) - 02.04.2012, 15:22 Uhr
Didier Deschamps steht mit OM vor dem Aus in der Champions League. Foto: Andreas Gebert
Olympique Marseille droht nach dem voraussichtlichen Champions-League-Aus eine massive Spielerflucht, Trainer Didier Deschamps der Verlust des Arbeitsplatzes. Im Duell mit dem deutschen Fußball-Rekordmeister FC Bayern München steht für den früheren französischen Nationalspieler aber auch seine glorreiche Geschichte in Marseille auf dem Spiel. Der Provence-Club ist hoch verschuldet und auf die Einnahmen aus der Champions League dringend angewiesen. Für das Sportblatt «L'Équipe» müssen die Franzosen nach der 0:2-Hinspielpleite nun in München einfach die «Heldentat ihres Lebens schaffen». Bevor die Fußballer von der Clubführung einen Maulkorb verpasst bekamen, übte sich Innenverteidiger Stéphane Mbia in Zweckoptimismus: «Die Leute sind alle enttäuscht, aber ich denke, dass wir dort den Coup schaffen», sagte der 25-jährige Kameruner. Verteidiger Rod Fanni gewinnt dem generellen Trübsinn sogar Positives ab: «Wir haben nun nichts mehr zu verlieren.»
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Dass Olympique aber tatsächlich in der Lage sein wird, den Bayern auch nur einigermaßen Paroli zu bieten, glaubt in der Grande Nation kaum jemand. In den vergangenen neun Pflichtspielen gab es acht Pleiten und nur ein Remis. In einer «L'Équipe»-Umfrage meinten mehr als 90 Prozent, OM sei chancenlos. Selbst der frühere Olympique- und «Bleus»-Goalgetter Jean-Pierre Papin, der in den 1990ern auch das Bayern-Trikot trug, hat kaum noch Hoffnung: «Nichts ist unmöglich im Fußball, und Wunder gibt es, aber dazu muss man offensive Argumente haben, und die hat OM nicht», sagte der 48-Jährige. Marseille steht zwar im Finale des unwichtigen Ligapokals (am 14. April in Paris gegen Olympique Lyon), die verkorkste Saison könnte aber nur durch ein Weiterkommen in München gerettet werden. Im Pokal schied man jüngst gegen einen Drittligisten aus, und in der Ligue 1 hat man als Tabellenneunter acht Runden vor Ende schon 16 Punkte Rückstand auf einen Champions-League-Platz sowie zehn Zähler auf die Europa-League-Plätze. «Der Club geht den Bach runter», schrieb «L'Équipe» - das aber nicht nur sportlich, sondern auch finanziell. |