Erneute Lehrstunde: BVB nach dem 1:3 vor dem Aus
Athen (dpa) - 19.10.2011, 23:15 Uhr
BVB-Coach Jürgen Klopp kann die 1:3-Pleite bei Olympiakos Piräus nicht fassen. Foto: Friso Gentsch.
Das Champions League-Comeback von Borussia Dortmund wird mehr und mehr zum Albtraum. Mit dem 1:3 (1:2) bei Olympiakos Piräus verspielte der deutsche Fußball-Meister fast schon alle Chancen, die Gruppenphase erfolgreich zu überstehen. Vor 33 300 Zuschauern im Karaiskakis-Stadion gelang Robert Lewandowski (26.) mit seinem achten Pflichtspieltreffer das einzige Tor für das defensivschwache Team von Trainer Jürgen Klopp. José Holebas (8.), Rafik Djebbour (40.) und Francois Modesto (78.) markierten die Treffer für den griechischen Champion. Nach dem 1:1 gegen den FC Arsenal und dem 0:3 bei Olympique Marseille dümpeln die weiter sieglosen Dortmunder mit nur einem Pünktchen auf dem letzten Platz der Gruppe F herum. In 13 Tagen beim Rückspiel gegen Piräus droht schon das endgültige Aus in der Königsklasse. «Das war zu wenig Konzentration in den entscheidenden Momenten. Du darfst nicht diese Gegentore und auch nicht die Anzahl der Gegentore kassieren», kommentierte Klopp den enttäuschenden Abend. Sportdirektor Michael Zorc sprach dem unerfahrenen Team nach der Lehrstunde sogar die nötige Reife für Europas Beletage ab: «Natürlich fehlt der Mannschaft auf dieser Ebene etwas. Das Auftreten in der zweiten Halbzeit ist für mich sehr enttäuschend. Piräus wirkte in den Zweikämpfen galliger als wir. Wir müssen nach diesem Spiel akzeptieren, was auf uns einprasselt.» Die Chance auf die K.o.-Spiele sei jetzt schon rechnerisch sehr schwierig. Verteidiger Marcel Schmelzer ärgerten vor allem die «individuellen Fehler».
Die Dienstreise in die griechische Hauptstadt hatte für den BVB-Tross wegen des Generalstreiks in Athen und der gewaltsamen Straßenschlachten schon denkbar schlecht begonnen. Vereinsvertreter, Fans und Sponsoren saßen stundenlang in ihrem Hotel fest. BVB-Boss Hans-Joachim Watzke berichtete von einer «Extremsituation», fliegenden Molotow-Cocktails und der Anweisung, Gasmasken zu benutzen. Die Mannschaft, mehrere Kilometer entfernt in einem anderen Hotel, war von den Unruhen nicht betroffen und kam bei der Anreise ins Stadion dank einer Polizei-Eskorte völlig unproblematisch durch. «Ich kann mir nicht vorstellen, dass uns das nachhaltig beeindruckt», prophezeite Klopp - und das, obwohl in Piräus die jüngste BVB-Elf der Vereinsgeschichte (Durchschnittsalter: 22,9 Jahre) in einem Europapokalspiel auf dem Platz stand. Watzke hatte sogar von einem Endspiel gesprochen, auch Klopp erhoffte sich von dem «finalen» Charakter der Begegnung die nötige Dringlichkeit und Konsequenz vorne und hinten. Der BVB begann denn auch furchtlos und dominant. Shinji Kagawa (1.), Ivan Perisic (4.) und erneut Kagawa (5.) gingen gleich in der Anfangsphase wieder einmal verschwenderisch mit ihren Möglichkeiten um - und die fehlende Abschlusssouveränität bescherte Klopp und Co. auf der Bank ein Déjà-vu-Erlebnis. |