Seine Spieler Wayne Rooney, der Schütze des zwischenzeitlichen 1:1 (34.), oder Kapitän Nemanja Vidic waren zuvor wortlos an den mehreren hundert Journalisten vorbeigezogen. Einer nach dem anderen verließ den Betonboden in den Wembley-Katakomben fest fixierend die Stätte der Schmach. Die majestätischen Sieger dieses denkwürdigen Champions-League-Abends tanzten währenddessen so wild wie eine Bande junger Rapper vor dem blau-roten Fahnenmeer. «Campeones, campeones» schallte es ihnen aus mehreren tausend Kehlen entgegen. Weniger friedlich verliefen die Jubelarien der daheimgebliebenen Fans in Barcelona. Hooligans lieferten sich in der Nacht zum Sonntag Straßenschlachten mit der Polizei. Nach der offiziellen Bilanz der spanischen Behörden wurden 132 Menschen verletzt, darunter 44 Polizeibeamte. 111 Gewalttäter wurden festgenommen. Im Londoner Wembley blieb hingegen noch Zeit für große Gesten. Als die neuen Könige Europas die Klettertour über 107 Stufen zur Ehrentribüne hinauf erfolgreich absolviert hatten, durfte Abidal die Trophäe aus den Händen von UEFA-Präsident Michel Platini empfangen. Der etatmäßige Kapitän Carles Puyol, wegen einer Knieverletzung erst kurz vor Schluss eingewechselt, verzichtete auf die ihm zustehende Ehre. Der abendliche Anführer Xavi wollte auch nicht. So hatte plötzlich Abidal die gelbe Binde am Oberarm und stemmte um 22.48 Uhr den Pott als erster in den Feuerwerk- und Konfetti-Himmel. «Diese Geste hat einen ewigen Symbolwert», schrieb «El Periódico de Catalunya». Noch vor wenigen Wochen hatte der 31 Jahre alte französische Nationalspieler wegen einer Krebserkrankung um sein Leben gerungen, jetzt feierte seinen größten sportlichen Erfolg. «Ich kann meine Gefühle nicht beschreiben», sagte der 1,86 Meter große Schlaks. «Es ist wunderbar. Ich bin so dankbar.» Dem lieben Gott müssen sie beim FC Barcelona nun auch danken, dass ihr Trainer in der Stunde des Sieges eher beiläufig sein Bleiben bestätigte. «Ich habe die Absicht, auf alle Fälle noch ein Jahr weiterzumachen und meinen Vertrag zu erfüllen. Ich verspüre noch die nötige Leidenschaft», sagte der 40-Jährige nach seinem zweiten Champions-League-Titel in drei Jahren. Den Grund für seine Entscheidung lieferte Guardiola auch gleich mit: Die Art und Weise, wie wir gewonnen haben, macht mich besonders stolz.»
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