Dem UEFA Cup-Sieger von 1997 hatten ohnehin nur die wenigsten zugetraut, überhaupt jemals zum erlauchten Vierer-Kreis von Europas Fußball-Adel zu gehören. Fast schon trotzig reagierte Innenverteidiger Christoph Metzelder auf die kollektive Ernüchterung seiner Kollegen unmittelbar nach dem Spiel: «Das Gefühl, dass wir Großes oder sogar Historisches erreicht haben, wollen wir uns nicht nehmen lassen.» Die Schalker Probleme wurden nach der vierten Niederlage in Serie allerdings auch nicht weniger: Das System Felix Magath längst gescheitert, die Identifikationsfigur Manuel Neuer vor dem Absprung, der Kader zu groß, zu instabil, zu teuer, der Effekt des Trainerwechsels möglicherweise schon verpufft - die Auswahl von Magath-Nachfolger Rangnick steht im DFB-Pokalfinale am 21. Mai gegen Zweitligist MSV Duisburg unter Druck. Ein Sieg in Berlin ist Pflicht, um 2011/2012 in der Europa League starten zu dürfen. Ähnlich wie Rangnick will auch Heldt nur bei einem Pokalsieg von einer tollen Saison sprechen: «Wir dürfen uns die Saison nicht durch eine Niederlage im Pokalfinale kaputt machen lassen.» Das Vorhaben Pokalsieg wird angesichts der allgemeinen Verunsicherung im Team schwer genug. Metzelder forderte im Liga-Alltag einen Neustart an den letzten beiden Spieltagen: «Jetzt müssen wir wieder Spaß entwickeln im Hinblick auf das Cupfinale. Das ist eine Riesenchance, einen Titel zu holen.» Für Neuer, der beim 0:2 patzte, geht es darum, wieder das Siegen zu lernen: «Wir müssen wieder wissen, wie das Gewinnen geht.» Der Nationalkeeper blieb auch in Manchester ein Spekulationsobjekt. Heldt bestätigte Gespräche mit Interessent Bayern München und stellte klar, «dass die Personalie spätestens am 31. August vom Tisch sein muss». Dann könnten zu den auf mehr als 50 Millionen Euro brutto geschätzten Champions-League-Einnahmen rund 20 Millionen Euro für einen Neuer-Verkauf hinzukommen und die Schalker Finanzsorgen weiter gelindert werden. Das tut Not, weil der Personaletat zwischenzeitlich auf etwa 70 Millionen Euro angestiegen sein soll. Heldt und Rangnick wollen den aufgeblähten Spielerstamm «auf ein vernünftiges Maß» reduzieren, dabei aber auch ein Maximum an Qualität erhalten. Das ist ein heftiger Spagat. «Jetzt zu sagen, dass wir in zwei oder drei Jahren auch so einen Kader zusammenstellen wie Manchester United, geht an der Realität vorbei», warnte Rangnick.
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