Offenherzig jubeln will Raúl mit Schalke erst nach dem Spiel gegen Valencia.
In der Bundesliga droht der Abstiegskampf, in der Champions League winken das Viertelfinale, Millionen-Einnahmen und eine Fußball-Fiesta: Im Achtelfinal-Rückspiel gegen den FC Valencia will FC Schalke 04 unter die besten acht Clubs in Europa stürmen.
Doch Raúl warnte davor, die Partie gegen den Dritten der spanischen Liga nach dem 1:1 im Hinspiel als Selbstläufer zu betrachten. «Sie sind auswärts noch gefährlicher. Trotz unseres kleinen Vorteils stehen noch 90 Minuten aus, in denen sie den Spieß umdrehen können», sagte der 33 Jahre alte Schalke-Stürmer.
Spaniens Fußball-Held, der mit Real Madrid die europäische Fußball-Krone schon dreimal gewann, hofft, dass sein 138. Spiel in der Königsklasse nicht sein letztes sein wird. «Es kann so viel passieren, man wird sehen», sagte der mit 71 Treffern erfolgreichste Europapokal-Torjäger. Erst Raúls Ausgleich im Hinspiel bescherte den «Königsblauen» die gute, aber auch gefährliche Ausgangsposition vor dem 100. Europacupspiel der Schalker «Neuzeit», also seit der Rückkehr auf die internationale Bühne in der Saison 1996/1997.
Valencias genesener Jungstar Juan Mata, der im Hinspiel fehlte, unkte nach der erfolgreichen Generalprobe seiner Elf mit dem 2:1-Sieg bei RCD Mallorca bereits: «Ich fühle, dass dies das letzte Spiel Raúls in der Champions League sein könnte.» Trainer Unai Emery sieht den Gegner zwar in der leicht besseren Position, gibt sich aber auch selbstbewusst: «Dass sie zu Hause spielen, muss kein Vorteil sein.»
In der Gruppenphase ließ die Elf von Trainer Felix Magath, der den gesperrten Linksverteidiger Lukas Schmitz und den verletzten Klaas-Jan Huntelaar ersetzen muss, in der Veltins-Arena nichts anbrennen. Bei den Heimsiegen gegen Benfica Lissabon (2:0), Hapoel Tel Aviv (3:1) und Olympique Lyon (3:0) brannte Schalke stets ein Feuerwerk ab. Nun soll zum zweiten Mal nach 2007/2008 der prestigeträchtige Viertelfinal-Einzug gelingen, der zudem eine 3,3-Millionen-Euro-Prämie und erkleckliche Zuschauer-Einnahmen in die marode Kasse spülen würde. «Für Schalke wäre es ein toller Erfolg, unter den besten Acht zu sein», meinte Raúl. Torhüter Manuel Neuer forderte: «Das ist ein K.o.-Spiel, in dem wir weiterkommen müssen.»
Doch trotz der Erfolge in der Königsklasse und des glanzvollen Einzugs in das nationale Cupfinale durch das 1:0 bei Bayern München schmerzt die verkorkste Liga-Saison, Titelchance hin oder her. Nach dem 0:1 in Stuttgart ist der Tabellen-Zehnte nur fünf Punkte vom Relegationsplatz bzw. Rang 17 entfernt. Selbst Raúl räumt im «kicker» ein, dass der Absturz in der Meisterschaft nicht übertüncht werden kann: «Nur teils, weil wir wissen, dass unser Liga-Niveau absolut nicht das ist, was wir uns vorgestellt haben.»
Vor allem deshalb wird die Arbeit von Magath und seinem heftig bemängelten Totalumbruch nicht nur von den Fans weiter kritisch hinterfragt. Die «Bild»-Zeitung berichtete bereits, dass die Trennung von dem Alleinherrscher spätestens am Saisonende trotz Vertrags bis 2013 in der Chefetage heftig diskutiert werde. Der Trainer gibt sich dennoch gelassen. «Ich mache mir keine Sorgen», betonte Magath.