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Werder: Abstiegskampf statt Champions League

Bremen (dpa) - 22.11.2010, 17:18 Uhr

Der Bremer Trainer Thomas Schaaf feuert sein Team an.
Der Bremer Trainer Thomas Schaaf feuert sein Team an.

Für die Champions League holt Thomas Schaaf immer den schicken Anzug aus dem Schrank - am Mittwoch könnte eine der letzten Gelegenheiten für längere Zeit sein.

«Festtage» seien das für ihn, hat der Coach von Werder Bremen das Ritual einmal erklärt. Doch bei Tottenham Hotspur stehen die Hanseaten vor dem fast sicheren Aus, zumal wegen der Personalprobleme zwei Amateure spielen müssen. Und in der Liga hat der kriselnde Club ganz andere Sorgen. «Wir sind keine Träumer, wir brauchen nicht mehr von der Champions League zu reden», gab Werder-Chef Klaus Allofs die veränderte Marschroute aus. I

Abstiegskampf statt Champions League - so lautet das neue Motto bei Werder Bremen. An der White Hart Lane am 24. November und zwei Wochen später im Heimspiel gegen Inter Mailand geht es um Schadensbegrenzung und Imagepflege. Zwei Siege und Schützenhilfe der Konkurrenz würde Werder benötigen, um nach zwei Punkten aus vier Spielen noch ins Achtelfinale zu kommen.

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Die sechste Teilnahme an der Champions League innerhalb von sieben Jahren hat hohe Ansprüche geweckt, nicht nur bei den Fans, sondern auch bei Allofs und den Verantwortlichen. Aber nun merken alle, dass das keine Selbstverständlichkeit ist. Dass es auch ganz schnell abwärts gehen kann.

Die Krise führt stattdessen gar dazu, dass der Klassenverbleib plötzlich zum Thema wird. «So, wie wir im Moment auftreten, spielen wir gegen den Abstieg», sagte Aaron Hunt: «Wenn du reihenweise Tore kassierst und keine schießt, dann ist das so.» 31 Gegentore hat Werder bereits hinnehmen müssen - nur der Tabellenletzte Borussia Mönchengladbach (36) hat mehr Treffer zugelassen.


In den zurückliegenden Jahren hatten die Bremer häufig ähnliche Defensivprobleme, konnten sie aber meist mit ihrer überragenden Offensive ausgleichen. Doch davon sind sie weit entfernt. Seit vier Spielen hat Werder kein Tor mehr geschossen.

«Ich habe das Wort Abstiegsgefahr nicht groß auf die Tafel geschrieben», sagte Allofs zur Krisensitzung mit den Profis. Aber der Clubchef weiß auch: «Wir sind ziemlich dicht dran, da unten wird es eng.» Gerade einmal vier Punkte trennen Werder in der Tabelle vom Relegationsplatz.

Der branchenübliche Mechanismus, den Trainer auszuwechseln, greift in Bremen nicht. Das hatte Allofs am Tag nach der 0:4-Klatsche bei Schalke 04 deutlich gemacht. Die Bremer wollen bei ihrem bisher bewährten Rezept bleiben und Ruhe bewahren. Auch durch Gerüchte über ein angebliches Rücktritts-Angebot von Schaaf wollen sie nicht nervös werden. Allofs wies einen entsprechenden Bericht der «Bild»-Zeitung (Montag) entschieden zurück. «Es hat keine Rücktrittsandrohung oder die Frage nach einem möglichen Rücktritt in irgendeiner Mannschaftsbesprechung gegeben», sagte Allofs am Montag.

Nach Angaben von Allofs hat Schaaf dem Team in einer früheren Ansprache vorgehalten: «Egal, wer hier vor Euch steht, ob ich das bin oder ein anderer: Es sind immer die gleichen Anforderungen, die an Euch gestellt werden.» Auch Kapitän Frings dementierte: «Das ist Quatsch. Das stimmt alles gar nicht.» Schaaf sagte, dass er sich dazu nicht äußern wolle.

Öffentlich erhält Schaaf nicht nur von Allofs, sondern zumindest von Mittelfeldspieler Hunt Rückendeckung. Weder am Trainer noch am Sportchef liege es, meinte Hunt: «Sie sind nicht das Problem. Wir als Mannschaft sind es.»

Eine Forderung des Profis lässt tief blicken auf die Verhältnisse im Kader. «Wir müssen uns endlich als Mannschaft zusammenraufen», sagte Hunt: «Jeder muss für jeden da sein. Dann finden wir auch wieder in die Spur.»

In London dürfte das schwierig sein, denn Werder Bremen muss aufgrund zahlreicher Ausfälle am Mittwoch zwei Spieler aus der Reserve-Mannschaft einsetzen. Linksverteidiger Dominik Schmidt und Mittelfeldspieler Felix Kroos spielten bereits beim Abschlusstraining in Bremen in der A-Mannschaft. Drei weitere Amateure sollen am Dienstag mit dem Fußball-Bundesligisten nach London fliegen, sagte Co-Trainer Wolfgang Rolff. Zu den Ausfällen gehören Naldo, Claudio Pizarro, Mikael Silvestre, Tim Borowski, Sebastian Boenisch, Wesley, Marko Arnautovic und Petri Pasanen. Gesperrt ist Kapitän Torsten Frings.

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