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BVB siegt und siegt - Podolski: «Ganz bitter»

Köln (dpa) - 16.10.2010, 17:59 Uhr

Nuri Sahin (r) vom BVB bejubelt den Sieg, während sich Kölns Lukas Podolski enttäuscht zeigt.
Nuri Sahin (r) vom BVB bejubelt den Sieg, während sich Kölns Lukas Podolski enttäuscht zeigt.

Fassungsloses Entsetzen und völlige Ratlosigkeit bei Podolski und Co., überschäumende Freude und extreme Zuversicht beim BVB: Die Gefühlswelten des Fußballs präsentierten sich nach dem Bundesligaspiel zwischen dem 1. FC Köln und Borussia Dortmund in brutaler Gegensätzlichkeit.

Die einen nach dem 1:2 (0:1) durch Nuri Sahins Last-Minute-Treffer (90+1. Minute) am Boden zerstört, die anderen himmelhoch jauchzend und nach 2624 Tagen endlich wieder Spitze. Dort blieben die Westfalen auch am Folgetag, nachdem der FSV Mainz 05 nach sieben Siegen hintereinander mit 0:1 gegen den Hamburger SV verlor und seine Tabellenführung abgeben musste.

Köln trauerte, Dortmund jubilierte. «Wenn man in letzter Minute verliert, ist das ganz bitter», sagte der völlig frustrierte Nationalspieler Lukas Podolski nach einem der emotionalsten West- Derbys der jüngeren Vergangenheit. Er selbst hatte mit seinen öffentlichen Attacken auf die Vereinsführung und Kritik an der Qualität der Mannschaft die Brisanz geschürt, wollte davon nach der fünften Saisonniederlage aber nichts mehr wissen: «Ich habe keinen wachgerüttelt oder angegriffen.»

Podolski wusste in diesem Moment, dass dies nicht stimmt. Doch das störte ihn nicht. Im Gegenteil: Seine verbale Aggressivität lebte der FC-Führungsspieler vor 50 000 Zuschauern in der ausverkauften WM- Arena auch auf dem Rasen aus. Scharmützel mit Sahin und BVB-Keeper Roman Weidenfeller wurden jeweils mit Gelb bestraft. Und als Podolski nach dem 0:1 durch Jakub Blaszczykowski (20.) mit einem fulminanten Linksschuss in den Winkel das verdiente 1:1 (82.) gelang, ließ allein die Körpersprache erkennen, wie «geladen» der Nationalstürmer war.

«Wir haben verloren. Das ist schlimm. Darüber sollten wir reden und nicht über ein Interview von letzter Woche», sagte Podolski dem TV-Sender Sky. Er wollte alles verdrängen und wohl auch Zvonimir Soldos Situation beschönigen: Der FC-Trainer steht in der Kritik, zumindest öffentlich. Seine Aktion, den beliebten Stammkeeper Faryd Mondragon nach dessen Länderspielreise für Kolumbien durch Debütant Miro Varvodic zu ersetzen, kam beim FC-Anhang nicht gut an.


Mit heftigen Pfiffen wurde Soldo bei der Vorstellung von den FC- Fans begrüßt, von Podolski nach den dramatischen 90 Minuten indes in Schutz genommen: «Wir haben gut gekämpft, stehen aber mit leeren Händen da. Wir machen immer wieder Fehler. Der Trainer kann da nichts für», hielt Podolski fest. Und musste sich darauf einstellen, dass FC-Manager Michael Meier bald Tacheles mit ihm reden wird.

Derartige Krisengespräche beim BVB: Fehlanzeige. Stattdessen riesige Freude, wobei die Übernahme der Top-Position allerdings nur als Momentaufnahme empfunden wurde: «Lieber eine Nacht Tabellenführer als nie», sagte Trainer Jürgen Klopp nach dem siebten Sieg in Serie, mit dem der BVB dank Sahins «Billardkünsten» den Vereinsrekord von 2008/2009 einstellte.

«Gott sei Dank habe ich den Ball nicht getroffen», sagte der von Podolski gereizte türkische Nationalspieler über seinen Schussversuch, den der frühere BVB-Manager Meier als «Krone» auf dem ganzen Kölner Elend empfand: «Der Sahin schießt sich ans Standbein - und das Ding geht rein.» Des einen Freud', des anderen Leid: Klopp und Co. sind sich bewusst, dass speziell solche Siege schon häufig die Basis für etwas waren, von dem der BVB nicht sprechen will: dem Gewinn des Meistertitels.

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