Festung Millerntor: St. Pauli besteht Reifeprüfung
Hamburg (dpa) - 20.09.2010, 13:23 Uhr
Die Fans des FC St. Pauli feiern vor dem Spiel gegen den HSV.
«Willkommen in der Hölle St. Pauli» - vom Empfangsslogan der enthusiastischen Kiez-Anhänger ließen sich die Profis des Hamburger SV mächtig einschüchtern. «Ich hätte lieber bei uns gespielt. Ich glaube nicht, dass hier viele Mannschaften gewinnen werden», sagte HSV-Coach Armin Veh nach dem 1:1 im ersten Derby am Millerntor, «das ist hier Leidenschaft pur». Voller Respekt überließ der große HSV die Offensivarbeit im 15. Stadtduell dem Bundesliga-Aufsteiger, der durch Kriminalkommissar Fabian Boll (77.) in Führung ging und vor dem ersten Sieg seit 33 Jahren stand. Doch Mladen Petric verdarb mit seinem Ausgleich zwei Minuten vor Schluss die große Pauli-Party. Die Offensivabteilung um Zé Roberto, der neben Paolo Guerrero Starstürmer Ruud van Nistelrooy mit Pässen füttern sollte, war geradezu abgemeldet. «Die Stimmung hier war reif für die Champions League», bilanzierte Trainer Holger Stanislawski stolz. Schon gegen Hoffenheim, als die Gäste das Siegtor erst in der Schlussphase erzielten, war der Effekt des einschüchternden Stadions mit seinen besonderen Anhängern groß. Zudem zeigte sich der Aufsteiger im hitzigen Derby hungriger und bissiger und musste sich technisch hinter dem Starensemble des HSV nicht verstecken. Hinzu kommt, dass sich Stanislawskis knallharte Vorbereitung auszahlt - im Gegensatz zum HSV musste er nach der WM auf keinen Nationalspieler verzichten.
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Die Stimmung zum Überkochen brachte die Einwechslung des Stareinkaufs Gerald Asamoah Einwechslung nach acht Wochen Verletzungspause, der sogar drei Minuten später den Pass zum Tor gab. «Am Mittwoch in Gladbach müssen wir es so gestalten, dass wir mit drei Punkten nach Hause fahren», sagte der Ex-Schalker forsch. Stanislawski will ihm Zeit geben, baut in den nächsten Wochen aber fest auf den Stürmer: «Er hat eine wahnsinnig hohe Qualität, den Ball sicher zu machen. Wir hoffen, dass er jetzt durchstarten kann.» Stanislawski war maßlos enttäuscht, dass sein Team die Führung noch aus der Hand gegeben hat. Der Sonntagsschuss vom zuletzt auf der Bank schmorenden Petric zwei Minuten vor Schluss rettete den HSV vor monatelangem Spott in seiner eigenen Stadt: «Wir haben die große Katastrophe abgewendet», sagte Petric, der nun nach Abwanderungsgedanken Richtung Stuttgart wieder auf Einsätze in der Startelf hofft. «Natürlich war es eine gute Antwort auf die Diskussionen um meine Person», fügte der unzufriedene Kroate hinzu. «Wir haben nichts miteinander, auch wenn es anders dargestellt wird», stellte Veh klar. Ein Startelf-Einsatz könnte schon am Mittwoch im Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg der Fall sein, denn Guerrero klagt über eine entzündete Achillessehne. Wie aufgeheizt die Stimmung trotz der fußballerischen Magerkost über 90 Minuten war, zeigten die Krawalle vor und nach dem Spiel. Zehn Verletzte und 13 Festnahmen lautete die Bilanz nach Ausschreitungen gegen Polizisten und Schlägereien der verfeindeten Fan-Lager. Die 1100 eingesetzten Beamten hatten jedoch jederzeit alles sicher im Griff.
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