Die Kleinen stahlen den Großen erneut die Show. Das bekam vor allem der ambitionierte VfL Wolfsburg in einer denkwürdigen Partie gegen die selbstbewussten Mainzer zu spüren. Die Freude über die frühe 3:0-Führung und das Debüt des gefeierten Neuzugangs Diego verleitete zu Leichtsinn. Spätestens nach dem 4:3-Siegtreffer der Gäste in der 85. Minute schlug die Ekstase in Entsetzen um. «So etwas habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht erlebt - weder als Spieler, noch als Trainer», klagte «Wölfe»-Coach Steve McClaren. Das Kunststück, einen 0:3-Rückstand nach nur einer halben Stunde in einen 4:3-Erfolg zu verwandeln, war in der Bundesliga zuletzt dem VfL Bochum im Mai 1991 bei Fortuna Düsseldorf gelungen. Eine überraschende Heimschlappe musste auch der FC Schalke verkraften. Der schlechteste Saisonstart seit 23 Jahren entfachte beim Revierclub eine Diskussion, ob die ambitionierten Umbauarbeiten von Trainer Felix Magath nicht zu weit gegangen sind. Vor allem die Deckung offenbarte bedenkliche Schwächen. «Wir haben einen Fehlstart hingelegt» bekannte Magath. Mit weiteren Zukäufen bis zum Ende des Sommerschlussverkaufs am Dienstag will er den Negativtrend stoppen: «Ich kann jetzt nicht untätig sein. Für uns gibt es auf dem Transfermarkt noch einiges zu tun.» Als Kandidaten werden Klaas-Jan Huntelaar (AC Mailand), Rafael van der Vaart (Real Madrid) und José Manuel Jurado (Atletico Madrid) gehandelt. Von einem Stürmer wie Ruud van Nistelrooy kann Magath derzeit nur träumen. Der einstige Mannschaftskollege des erneut schwachen Schalker Neuzugangs Raúl bei Real Madrid entpuppt sich für den Hamburger SV mehr und mehr als Erfolgsgarant. Der 34 Jahre alte Niederländer steuerte zum 3:1 in Frankfurt seinen bereits dritten Saisontreffer bei. «Träumen kannst Du immer. Du musst nur deinen Traum versuchen zu leben», sagte van Nistelrooy. Fünftes Team im Kreis der bisher verlustpunktfreien Überflieger ist 1899 Hoffenheim. Eine Woche nach dem 4:1-Kantersieg gegen Bremen hielten sich die Profis von Trainer Ralf Rangnick auch beim 1:0 gegen Aufsteiger St. Pauli schadlos und führen zusammen mit Kaiserslautern die Tabelle an. Der glückliche Sieg in Hamburg verstellte jedoch nicht den Blick auf die Realitäten. «Man kann nicht erwarten, dass wir ganz vorne stehen», sagte Verteidiger Andreas Beck. Dagegen finden sich vermeintliche Spitzenteams wie Schalke und Wolfsburg ohne Punktgewinn im Tabellenkeller wieder. Noch schlechter sind nur Eintracht Frankfurt, der 1. FC Köln sowie der VfB Stuttgart in die Saison gestartet.
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