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«Kleine» trumpfen groß auf - Diego entzaubert

Düsseldorf (dpa) - 29.08.2010, 13:05 Uhr

Der Hannoveraner Trainer Mirko Slomka gewinnt gegen seinen Ex-Club.
Der Hannoveraner Trainer Mirko Slomka gewinnt gegen seinen Ex-Club.

Die Außenseiter mischen die Liga auf. Nicht die Topclubs der vergangenen Saison aus München und Gelsenkirchen, sondern die Überraschungsteams aus Kaiserslautern, Mainz und Hannover begeistern die Fußball-Fans.

Mit einer optimalen Ausbeute von sechs Punkten gehören sie zur Spitzengruppe des Fußball-Oberhauses. «Jetzt können wir die zweiwöchige Länderspielpause genießen», schwärmte Hannovers Coach Mirko Slomka nach dem 2:1 an seiner alten Wirkungsstätte beim FC Schalke. Ähnlich euphorisch kommentierte Trainerkollege Marco Kurz das umjubelte 2:0 des Aufsteigers aus Kaiserslautern über den FC Bayern: «Wir werden das aufsaugen.»

Die Kleinen stahlen den Großen erneut die Show. Das bekam vor allem der ambitionierte VfL Wolfsburg in einer denkwürdigen Partie gegen die selbstbewussten Mainzer zu spüren. Die Freude über die frühe 3:0-Führung und das Debüt des gefeierten Neuzugangs Diego verleitete zu Leichtsinn. Spätestens nach dem 4:3-Siegtreffer der Gäste in der 85. Minute schlug die Ekstase in Entsetzen um. «So etwas habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht erlebt - weder als Spieler, noch als Trainer», klagte «Wölfe»-Coach Steve McClaren.

Das Kunststück, einen 0:3-Rückstand nach nur einer halben Stunde in einen 4:3-Erfolg zu verwandeln, war in der Bundesliga zuletzt dem VfL Bochum im Mai 1991 bei Fortuna Düsseldorf gelungen. Nur 28 Stunden nach seiner Vorstellung in Wolfsburg schob 15-Millionen- Neuzugang Diego Frust: «Was nach dem 3:0 passiert ist, weiß ich auch nicht.»

Eine überraschende Heimschlappe musste auch der FC Schalke verkraften. Der schlechteste Saisonstart seit 23 Jahren entfachte beim Revierclub eine Diskussion, ob die ambitionierten Umbauarbeiten von Trainer und Manager Felix Magath nicht zu weit gegangen sind. Vor allem die einstmals stabile Deckung offenbarte wie schon beim 1:2 vor einer Woche in Hamburg bedenkliche Schwächen.


«Wir haben einen Fehlstart hingelegt» bekannte Magath. Mit weiteren Zukäufen bis zum Ende des Sommerschlussverkaufs am Dienstag will er den Negativtrend stoppen: «Ich kann jetzt nicht untätig sein. Für uns gibt es auf dem Transfermarkt noch einiges zu tun.» Als Kandidaten werden Klaas-Jan Huntelaar (AC Mailand), Rafael van der Vaart (Real Madrid) und José Manuel Jurado (Atletico Madrid) gehandelt.

Von einem Stürmer wie Ruud van Nistelrooy kann Magath derzeit nur träumen. Der einstige Mannschaftskollege des erneut schwachen Schalker Neuzugangs Raúl bei Real Madrid entpuppt sich für den Hamburger SV mehr und mehr als Erfolgsgarant. Der 34 Jahre alte Niederländer blüht im Herbst seiner Karriere noch einmal richtig auf und steuerte zum 3:1 in Frankfurt seinen bereits dritten Saisontreffer bei. «Träumen kannst Du immer. Du musst nur deinen Traum versuchen zu leben», sagte van Nistelrooy voller Hoffnung, dass sich der starke Saisonstart des HSV nicht erneut als nur kurzer Höhenflug erweist.

Fünftes Team im Kreis der bisher verlustpunktfreien Überflieger ist 1899 Hoffenheim. Eine Woche nach dem 4:1-Kantersieg gegen Bremen hielten sich die Profis von Trainer Ralf Rangnick auch beim 1:0 gegen Aufsteiger St. Pauli schadlos und führen zusammen mit Kaiserslautern die Tabelle an. Der glückliche Sieg in Hamburg verstellte jedoch nicht den Blick auf die Realitäten. «Man kann nicht erwarten, dass wir ganz vorne stehen», warnte Verteidiger Andreas Beck vor zu großer Erwartungshaltung.

Dagegen finden sich vermeintliche Spitzenteams wie Schalke und Wolfsburg ohne Punktgewinn im Tabellenkeller wieder. Noch schlechter sind nur Eintracht Frankfurt und der 1. FC Köln in die Saison gestartet. Nach dem 2:4 in Bremen und dem Sturz auf den letzten Tabellenplatz versuchte FC-Manager Michael Meier, die Position von Trainer Zvonimir Soldo zu stärken: «Er steht nicht zur Diskussion.»

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