Bremer Gelassenheit: Keine Panik trotz Fehlstarts
Sinsheim (dpa) - 22.08.2010, 10:41 Uhr
Werder-Trainer Thomas Schaaf (M) schaut sich das Debakel von der Bank aus an.
Die Spieler waren längst in den Kabinen verschwunden, da saßen Trainer Thomas Schaaf und Sportdirektor Klaus Allofs nach der 1:4-Auftaktpleite bei 1899 Hoffenheim immer noch mit versteinerten Mienen auf der Bank. Der desaströse Auftritt zum Bundesliga-Start war den Verantwortlichen von Werder Bremen aufs Gemüt geschlagen. Zwar ließen die Werder-Macher keine Panik aufkommen, doch ignorieren konnten sie den deutlichen Warnschuss drei Tage vor dem Rückspiel in der Champions-League-Qualifikation bei Sampdoria Genua nicht. «Wir haben ein verdammt schlechtes Spiel gemacht. Wir waren nicht präsent, nicht selbstbewusst, nicht bereit, weite Wege zu gehen. Meine Mannschaft hat sich den Dingen ergeben», kritisierte Schaaf und kündigte eine schonungslose Analyse an: «Natürlich werde ich hinterfragen, warum wir nicht bissig waren.»
Drei Tage nach der Gala gegen Genua versagte sein Team auf der ganzen Linie. Die Gründe blieben Schaaf ein Rätsel: «Dafür gibt es keine Erklärung.» Allofs sah erheblichen Redebedarf: «Wir werden jetzt nicht verrückt spielen, aber natürlich darüber reden, damit solche Fehler nicht wieder passieren.» Torsten Frings, der in der 3. Minute mit einem verwandelten Handelfmeter die Führung erzielt hatte, fasste die Partie vor 30 150 Zuschauern treffend zusammen: «Nach dem frühen 1:0 haben wir das Fußballspielen eingestellt. Wir haben uns nicht mehr bewegt, waren nicht aggressiv genug und haben alles vermissen lassen, was uns auszeichnet.» Nicht nur der Kapitän weiß, dass Werder in dieser Verfassung trotz des 3:1-Vorsprungs aus dem Hinspiel ernsthaft um den Einzug in die europäische «Königsklasse» bangen muss. «Wir müssen die Fehler aufarbeiten», appellierte Frings. |
Im Angriffswirbel der Hoffenheimer, der an beste Zeiten erinnerte, gingen die Gäste von der Weser förmlich unter. Demba Ba (20.), Peniel Mlapa (37.), Vedad Ibisevic (41.) und Sejad Salihovic (43.) schossen den auch in dieser Höhe verdienten Gastgebersieg heraus. «Wir waren nicht aggressiv. Das sah müde aus», befand Nationaltorwart Tim Wiese. Zweifel am Weiterkommen in der Champions League beschlichen ihn trotz des Ausfalls von Stürmer Hugo Almeida, der wegen einer Oberschenkelverletzung fehlen wird, jedoch nicht. «Darum mache ich mir keine Sorgen. Kontraste gehören bei uns dazu.» Nicht verborgen blieben den Werder-Verantwortlichen die eklatanten Schwächen in der Abwehr, wo der am Knie verletzte Naldo schmerzlich vermisst wird. Sollte der Brasilianer länger ausfallen, will Allofs auf dem Markt noch einmal tätig werden. «Wir müssen schauen, was aus Naldo wird. Wir sind bereit, die Mannschaft im Defensivbereich zu verbessern.» Auch die Hoffenheimer wollen bis zum Ende der Transferperiode auf Einkaufstour gehen, nachdem Mittelfeldregisseur Carlos Eduardo den Verein verlässt. Der brasilianische Nationalspieler wird wohl zum russischen Spitzenverein Rubin Kasan wechseln. Im Gespräch ist eine Ablösesumme von 20 Millionen Euro. «Die Vereine sind sich einig, es geht nur noch um einige Formalitäten», bestätigte Rangnick. Eduardos neuen Verein wollten aber weder er noch Manager Ernst Tanner nennen. «Er wird künftig auf der internationalen Bühne spielen», ließ Tanner lediglich verlauten. Kasan tritt in der Champions League an.
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