St. Pauli will sich auch in 1. Liga treu bleiben
Hamburg (dpa) - 18.08.2010, 11:51 Uhr
Die Fans des FC St. Pauli feiern mit der Mannschaft den Aufstieg auf der Reeperbahn.
Der FC St. Pauli bleibt seiner Philosophie treu. Mit jungen deutschen Spielern und ohne Millionen-Einkäufe lässt sich der Überraschungs-Aufsteiger auf das Abenteuer Fußball-Bundesliga ein - und nimmt lieber einen Abstieg in Kauf, als sich für kurzfristigen Erfolg verbiegen zu lassen. «Wichtig ist, dass wir unabhängig von Punkten am Saisonende als Club besser dastehen als zuvor», betonte Sportchef Helmut Schulte in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Priorität hat für ihn die Sicherung jenes Fundamentes, das sich der vor ein paar Jahren noch von der Pleite bedrohte Kiez-Club mittlerweile geschaffen hat. Als Vorbild für die wiedererstarkten Hanseaten dient ausgerechnet der Auftakt-Gegner. «Der SC Freiburg ist ein gutes Beispiel dafür, wie man auch mit Stolz und Würde zwischen den Klassen hin- und herwechseln kann», sagte Schulte. Den ärgerlichen Pokal-K.o. beim Regionalligisten Chemnitzer FC will er nicht überbewerten, sein Team sieht er deswegen nicht schon im Breisgau unter Zugzwang.
«Die Partie ist genauso wichtig wie das 34. Spiel. Wichtiger als der Start ist mir die Landung am Saisonende», sagte der 52-Jährige. Wie schon im vorigen Jahr will der kultige Kiez-Club aus der Außenseiterrolle agieren, die ihm am Ende den Aufstieg bescherte. «Wir sind der klassische Underdog, sportlich wie wirtschaftlich die Nummer 18 der Liga. Ich bin aber fest überzeugt vom Klassenerhalt.» Statt teurer Kicker aus aller Welt holten die Norddeutschen lieber Akteure aus der Region in ihren Kader, der durch talentierte deutsche Nachwuchskicker verstärkt wurde. «Das ist eine gewollte Philosophie. Wir können nicht den internationalen Spieler-Markt beherrschen, dafür aber den deutschen. In meinem Büro hängt die Deutschland-Karte, keine von Europa», berichtete Schulte beim Gespräch im Bau-Container auf dem Trainingsgelände an der Kollaustraße. Und ergänzte schmunzelnd: «Erst in der Champions League müssten auch wir über Spieler reden, die kein Deutsch sprechen.» |