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Referees gegen FIFA: «Schiedsrichter-Land räumen»

Altensteig (dpa) - 25.07.2010, 12:51 Uhr

Herbert Fandel spricht sich für den Chip im Ball und gegen den Videobeweis aus.
Herbert Fandel spricht sich für den Chip im Ball und gegen den Videobeweis aus.

Die deutschen Schiedsrichter um WM-Referee Wolfgang Stark hoffen auf technische Hilfsmittel und lehnen die von UEFA und FIFA favorisierten Torrichter rigoros ab.

«Wir haben zehn FIFA-Schiedsrichter: Wenn die alle mit jeweils sechs Mann nach draußen müssen, dann können wir unser Schiedsrichter-Land räumen», sagte Herbert Fandel, der Leiter der neuen Schiedsrichter-Kommission im Deutschen Fußball-Bund (DFB), bei der Tagung der deutschen Referees in Altensteig-Wart (Schwarzwald).

Widerstand gegen die zwei Torrichter, mehr Macht für den vierten Offiziellen und Hoffnung auf den Chip im Ball: Nach einer Fußball- Weltmeisterschaft mit zum Teil verheerenden Schiedsrichter-Leistungen wollen sich die 40 deutschen Erst- und Zweitliga-Unparteiischen auf ihre Stärken besinnen und nicht verrückt machen lassen. «Wie Joachim Löw sein Team zusammengestellt hat, das ist auch für uns eine Leitlinie. Für mich ist entscheidend, dass wir charakterstarke Persönlichkeiten haben», sagte Fandel.

Der frühere FIFA-Referee aus Kyllburg hält wenig davon, dass die Torrichter in der kommenden Saison in der Champions League weiter erprobt werden. «Man verschiebt die Fehlerquelle des Schiedsrichters oder Assistenten auf eine weitere Person. Eigentlich möchte ich dieses System nicht haben», erklärte Fandel. Die deutschen Spielleiter sind von den Entscheidungen der Dachverbände abhängig. Fandel machte jedoch klar, dass er sich vor klaren Worten nicht scheuen werde.

Auch WM-Referee Stark, der seine drei Spiele in Südafrika souverän pfiff, kritisierte: «Man hat dann zwei Kollegen mehr dabei, mit denen man kommunizieren muss. Das ist schwierig. Außerdem haben die Torrichter draußen eine ganz andere Perspektive.»


Mehr Kompetenzen bekommen in der neuen Saison die vierten Offiziellen. Diese waren den Zuschauern bisher nur dadurch bekannt, dass sie Auswechslungen kontrollierten und die Nachspielzeit anzeigten. Jetzt sollen sie den Schiedsrichter mehr unterstützen und erhalten «fast einen Assistentenstatus». Dies erklärte Lutz Michael Fröhlich, Abteilungsleiter Schiedsrichter beim DFB.

Die deutsche Spielleiter-Elite hofft weiter, dass der Chip im Ball doch noch eingeführt wird. Das International Football Association Board (IFAB) hatte das Thema ursprünglich bereits abgeschmettert, doch nach den Diskussionen bei der WM soll es bei der nächsten Sitzung im Oktober noch einmal auf die Tagesordnung kommen. «Wenn es eine Möglichkeit gibt - her damit!», sagte Fandel.

«Natürlich könnten technische Mittel uns helfen», meinte Stark. «Voraussetzung ist, dass sie zu 100 Prozent funktionieren.» Die Schiedsrichter bei der WM haben sich nach Ansicht des Ergoldingers zu sehr unter Druck gesetzt. «Manche hatten nicht mehr den Kopf frei, waren nicht mehr konzentriert», erklärte der 40-Jährige die Gründe für die weltweit diskutierten Fehlentscheidungen.

Er äußerte sich bei einer DFB-Pressekonferenz erstmals öffentlich dazu, nachdem er wie die anderen Schiedsrichter von der FIFA während des Turniers in Südafrika einen Maulkorb verpasst bekommen hatte. Der Druck auf die Spielleiter sei immer stärker geworden, so Stark, «durch die Medien, durch die Fans».

Bei Treffen mit den Bundesligisten vor der Saison sollen die Schiedsrichter den Profis klar machen, dass Kung-Fu-Tritte wie jener von Hollands Nigel de Jong im WM-Finale gegen den Spanier Xabi Alonso mit Rot bestraft werden. «Besonders das Grätschen mit der Sohle in den Gegner, das wir bei der WM häufiger gesehen haben, soll konsequent geahndet werden», sagte Fröhlich zu den Vorgaben. Dies gelte auch für Tritte gegen Gegenspieler, die schon am Boden liegen.

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