Schiedsrichter: Gegen Torrichter, für Chip im Ball
Altensteig (dpa) - 24.07.2010, 17:10 Uhr
Herbert Fandel spricht sich für den Chip im Ball und gegen den Videobeweis aus.
Mehr Macht für den vierten Offiziellen, Widerstand gegen die Torrichter und Hoffnung auf den Chip im Ball: Nach einer Fußball-WM mit zum Teil verheerenden Schiedsrichter-Leistungen wollen sich die 40 deutschen Erst- und Zweitliga-Referees auf ihre Stärken besinnen. Von den vieldiskutierten Neuheiten wollen sie sich nicht verrückt machen lassen. «Wir haben zehn FIFA-Schiedsrichter: Wenn die alle mit jeweils sechs Mann nach draußen müssen, dann können wir unser Schiedsrichter- Land räumen», sagte Herbert Fandel bei der Tagung der deutschen Referees in Altensteig-Wart (Schwarzwald) zu den von FIFA und UEFA favorisierten Torrichtern. Diese sollen in der nächsten Saison in der Champions League weiter erprobt werden. Fandel kritisierte: «Man verschiebt die Fehlerquelle des Schiedsrichters oder Assistenten auf eine weitere Person. Eigentlich möchte ich dieses System nicht haben.» Mehr Kompetenzen bekommen in der neuen Saison die vierten Offiziellen. Diese waren den Zuschauern bisher nur dadurch bekannt, dass sie Auswechslungen kontrollierten und die Nachspielzeit anzeigten. Jetzt sollen sie den Schiedsrichter mehr unterstützen und erhalten «fast einen Assistentenstatus». Dies erklärte Lutz Michael Fröhlich, Abteilungsleiter Schiedsrichter beim Deutschen Fußball-Bund (DFB).
Die deutsche Spielleiter-Elite hofft weiter, dass der Chip im Ball doch noch eingeführt wird. Das International Football Association Board (IFAB) hatte das Thema ursprünglich bereits abgeschmettert, doch nach den Diskussionen bei der WM soll es bei der nächsten Sitzung im Oktober noch einmal auf die Tagesordnung kommen. «Wenn es eine Möglichkeit gibt - her damit! Es muss aber 1000-prozentig funktionieren», sagte Fandel. Der frühere FIFA-Referee aus Kyllburg sprach sich jedoch gegen den Videobeweis aus, weil dies zu Spielunterbrechungen führen würde. «Natürlich könnten technische Mittel uns helfen», sagte WM- Schiedsrichter Wolfgang Stark. «Voraussetzung ist, dass sie zu 100 Prozent funktionieren.» Der Ergoldinger, der seine drei Spiele bei der WM souverän gepfiffen hatte, sprach sich ebenfalls gegen die Einführung von Torrichtern aus. «Man hat dann zwei Kollegen mehr dabei, mit denen man kommunizieren muss. Das ist schwierig. Außerdem haben die Torrichter draußen eine ganz andere Perspektive.» |