Ribéry: «Ich muss diesen Tiefpunkt überstehen»
München (dpa) - 23.07.2010, 13:03 Uhr
Franck Ribéry blickt schon wieder nach vorn.
Nach den neuesten Entwicklungen in der Rotlicht- Affäre fühlt sich Fußballprofi Franck Ribéry an einem Tiefpunkt, blickt aber schon wieder mit Zuversicht nach vorn. «Angst um meine Zukunft, meine Karriere habe ich nicht. Weder in der Nationalmannschaft noch bei Bayern», sagte der 27-Jährige in einem Interview der «Bild»-Zeitung. «Ich bin davon überzeugt, dass ich das Vertrauen der Leute, die jetzt vielleicht an mir zweifeln, wieder zurückgewinnen werde. Ich will ihnen wieder Spaß bereiten. Ich will ihnen tolle Dribblings zeigen, einfach ein positive Gefühl vermitteln und Tore schießen. So wie früher.»
Ribéry wird vorgeworfen, mit einer Frau gegen Bezahlung Sex gehabt zu haben, die zu diesem Zeitpunkt noch minderjährig war. Der französische Mittelfeldstar bestreitet das wahre Alter der Frau gekannt zu haben. Sie bestätigte diese Aussage. Er habe sich nichts bewusst zu Schulden kommen lassen, sagte Ribéry, gegen den ein Anklageverfahren eingeleitet worden war. «Es gibt Momente im Leben, die bedrückend und belastend sind. Dieser Moment gehört nun sicherlich dazu. Ich muss diesen Tiefpunkt jetzt überstehen», sagte der in der vergangenen Saison oft verletzte Fußball-Profi. «Meine Familie ist für mich da. Besonders meiner Frau möchte ich danken. Auch der ganze Verein stand und steht uneingeschränkt hinter mir. Das werde ich Bayern München nie vergessen.» |
Seit Bekanntwerden der Affäre in diesem Jahr stärkte der FC Bayern dem Ausnahmekönner demonstrativ den Rücken. Auch deshalb verlängerte Ribéry bis ins Jahr 2015 bei den den Münchnern. «In schlechten Zeiten, gerade wenn man private Probleme hat, merkt man, wer zu einem steht und wer ein großes Herz beweist. Und bei Bayern bin ich ausschließlich von sehr guten Leuten umgeben. So einen Club hatte ich noch nie. Auch Bayern München ist für mich eine Familie, die mich auffängt», betonte der Franzose. Beim Verein wird man solche Aussagen gerne hören, denn man will verhindern, dass Ribéry an der Affäre zerbrechen könnte. «Er hat immer sehr gern in der Nationalmannschaft gespielt, gar keine Frage. Wir werden versuchen, ihn aufzufangen. Seit Mittwochvormittag trainiert er mit zwei unserer Leute in Südtirol und kehrt am Sonntag nach München zurück. Wir sind glücklich, dass er bei uns ist, und er weiß, dass er bei uns gut aufgehoben ist», sagte Vorstandschef Karl- Heinz Rummenigge auf die Frage, wie sehr seinen Schützling ein Rauswurf aus Frankreichs Nationalteam treffen würde. In dem Interview der «Münchner Abendzeitung» warnte er den französischen Verband davor. «Es wäre jedoch ein Riesenfehler, an zwei der besten Spieler der Welt ein Exempel zu statuieren.» Bayern-Präsident Uli Hoeneß bewertet die Affäre um Ribéry als «Hetzjagd». «Wir finden die ganze Angelegenheit dermaßen lächerlich, dass wir überhaupt nicht verstehen, wie hier eine Hetzjagd auf ihn veranstaltet wird. Darüber können wir nur staunen», sagte Hoeneß in München. «Ich denke, dass Karl-Heinz Rummenigge nicht ganz schief liegt, dass gewisse Leute in Frankreich von ihren eigenen Problemen ablenken wollen. Denn dieses Thema war eigentlich vor der WM schon durch. Ich bin ziemlich sicher, wenn Frankreich Weltmeister geworden wäre, wäre Franck Ribéry jetzt nicht vorgeladen worden.» Ribéry bereitet sich im Urlaub unter Anleitung von Bayern-Personal nach seinen Leistenoperationen auf die Rückkehr nach München vor. «Ich fühle mich bereits wieder richtig gut, viel besser als vor der Leisten-Operation», befand der 27-Jährige. «Sobald ich wieder die ganze Mannschaft um mich herum habe, kann ich wieder richtig glücklich sein.» Beim Saisonstart am 20. August gegen Wolfsburg will er dabei sein.
 |