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HSV-Neuanfang mit Veh und Reinhardt

Hamburg (dpa) - 25.05.2010, 14:27 Uhr

Trainer Armin Veh und Sportchef Bastian Reinhardt (r) werden beim HSV vorgestellt.
Trainer Armin Veh und Sportchef Bastian Reinhardt (r) werden beim HSV vorgestellt.

Nach dem gescheiterten Experiment mit Bruno Labbadia soll der eloquente und erfahrene Armin Veh den ins Schlingern geratenen Hamburger SV in ruhiges Fahrwasser führen.

«Jeder Trainerjob ist heutzutage ein Schleudersitz», bekannte Veh, der trotz eines Zwei-Jahres-Vertrages bei vorzeitiger Trennung nach einem Jahr keine weiteren Kosten verursachen würde. Der 49-Jährige ist der achte Trainer in der siebenjährigen Amtszeit des Vorstandsvorsitzenden Bernd Hoffmann. Der Bundesliga-Dino stellte die überraschende «Doppelspitze» mit dem gebürtigen Augsburger Fußball-Lehrer und Ex-Profi Bastian Reinhardt als Sportvorstand vor. Gleichzeitig wurde der Vertrag mit Stürmer Paolo Guerrero um vier Jahre verlängert.

Veh und Reinhardt sollen endlich Teamgeist in den Verein bringen, der nach dem verpassten Europa-League-Finale im eigenen Stadion und nur Platz sieben in der Bundesliga Tendenzen zur Selbstzerfleischung gezeigt hat. «Ich habe ein sehr gutes Gefühl, dass Armin Veh genau der richtige Trainer zum richtigen Zeitpunkt ist», sagte Hoffmann, verhehlte nicht, mit mehreren Kandidaten verhandelt zu haben. «Es ist eine sehr reizvolle Aufgabe und eine ähnliche Konstellation wie in Stuttgart», betonte Veh, der den VfB zusammen mit dem jungen Sportchef Horst Heldt 2007 zur Meisterschaft geführt hatte. In Wolfsburg war er als Magath-Nachfolger gescheitert. Ein sportliches Ziel wollten weder Veh noch Hoffmann für die Saison ohne Europapokal-Auftritte ausgeben. «Der HSV hat offensiv ein großes Potenzial, defensiv muss noch nachgebessert werden», sagte Veh.

Reinhardt wollte nichts davon wissen, nach einem halben Dutzend Kandidaten in den elf Monaten seit dem Abschied von Dietmar Beiersdorfer eine Notlösung zu sein: «Es gab einen Topkandidaten, aber ich werde diesen Job selbstbewusst ausüben.» Ungewöhnlich zügig und lautlos einigten sich die Verantwortlichen auf die beiden Personalien. Der Aufsichtsrat entschied sich nach der Absage des Niederländers Nico Hoogma schnell für den 34 Jahre alten Innenverteidiger, der sich vor dem zwölfköpfigen Gremium gut präsentiert haben soll. Damit geht die chaotische Suche nach einem Nachfolger für Beiersdorfer zu Ende, der wegen Differenzen mit Hoffmann das Weite gesucht hatte.

Reinhardt, der sich nach zwei Mittelfußbrüchen zuletzt als Praktikant in der Presseabteilung des Vereins weiterbildete und durchaus Kritik in seinen Internet-Blog veröffentlichte, ist eine absolute Verlegenheitslösung. Ein Gegengewicht zum zuletzt wegen seiner Allmacht kritisierten Hoffmann wird der Mecklenburger im vierköpfigen Vorstand nicht sein. Offiziell ist Reinhardt sogar dem im Sommer vom DFB kommenden Urs Siegenthaler vorgesetzt - intern soll er aber signalisiert haben, sich mit Schweizer Chefscout gut arrangieren zu können. Die neue Devise beim HSV lautet: Alles wird im Team entschieden.


In Veh holt der HSV nach dem Desaster mit Labbadia und dem kurzen Intermezzo von Ricardo Moniz, der nun nach Salzburg zu Beiersdorfer und Red Bull wechselt, einen abgeklärten Experten mit langjähriger Erfahrung im harten Fußball-Geschäft. Der gebürtige Bayer, dem als Spieler die ganz große Karriere versagt blieb, ist vor schwierigen Aufgaben nie zurückgeschreckt. Er führte seinen Heimatverein FC Augsburg in die Regionalliga, stieg mit Fürth und Reutlingen in die 2. Liga auf und ließ den FC Hansa Rostock begeisternden Erstliga- Fußball spielen, ehe er im Oktober 2003 an der Ostseeküste das Handtuch warf. Ein Fehler, den er nie wieder machen würde, bekannte der gelernte Immobilienkaufmann später mit Reue.

Aber Veh kam zurück - mit einiger Verspätung zwar, dafür umso nachhaltiger. Als Höhepunkt seiner Vita steht der Meistertitel 2007 mit Stuttgart und die Wahl zum Trainer des Jahres. Der Ruhm währte aber nur kurz: Der VfB trennte sich im Herbst 2008 von seinem Meistercoach. Seine nächste Aufgabe war die Nachfolge des allmächtigen Felix Magath beim VfL Wolfsburg, doch die Fußstapfen waren zu groß. Am 25. Januar 2010 musste der konsequente Anhänger des Offensivfußballs und Kurzpassspiels gehen.

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