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Volker Roth: «Habe vollkommen richtig gehandelt»

Salzgitter (dpa) - 25.05.2010, 11:55 Uhr

Volker Roth hat sein Resümee gezogen.
Volker Roth hat sein Resümee gezogen.

Volker Roth hat nach 15 Jahren als Vorsitzender im Schiedsrichter-Ausschuss des DFB sein Amt mit reinem Gewissen abgegeben: Die deutschen Schiedsrichter hätten die beste Bundesliga-Saison seit langem gepfiffen und im Fall Manfred Amerell sei er sich keiner Fehler bewusst.

«Ein klarer Beweis dafür sind auch die nur 21 Gelb-Roten und 20 Roten Karten, ein Drittel weniger als vergangene Saison. Das zeigt, dass die Spielleiter die Begegnungen im Griff hatten», sagte der 68-Jährige, der beim Deutschen Fußball-Bund von Herbert Fandel abgelöst wurde. Zum Krisenmanagement in der Schiedsrichteraffäre sagte er im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa: «Ich habe ein Rechtsgutachten anfertigen lassen: Demnach habe ich vollkommen richtig gehandelt, nachdem Michael Kempter zu mir gekommen war.»

Die Vorwürfe, er habe DFB-Präsident Theo Zwanziger zu spät informiert, weist Roth zurück: «Das stimmt so nicht. Ich habe mir nichts vorzuwerfen.» Ursprünglich wollte der Unternehmer aus Salzgitter erst beim DFB-Bundestag im Oktober zurücktreten. Im schlagzeilenträchtigen Skandal um seinen langjährigen Weggefährten Amerell, dem Kempter und drei weitere Schiedsrichter sexuelle Belästigung vorwerfen, musste Roth viel Kritik einstecken. Unter anderem hatte Reinhard Rauball als Präsident der Deutschen Fußball Liga (DFL) das Schiedsrichter-Wesen als «Geheimbund» bezeichnet.

Der WM-Unparteiische von 1986 bestreitet, dass er gedrängt worden sei, die politische Verantwortung für den Fall Amerell zu übernehmen. Zwanziger habe ihn zu keiner Zeit unter Druck gesetzt. «Es ist ja fast so getan worden, als ob ich der Schuldige gewesen sei, dass alles so gelaufen ist. Das ist natürlich nicht der Fall», sagte er. Während des Umbruchs im Schiedsrichter-Wesen mit der im April beschlossenen Reform hatte Roth jeglichen Kommentar verweigert. «Ich wollte keine schmutzige Wäsche waschen und habe immer gesagt: Bis zum 21. Mai äußere ich mich nicht», erklärte er.

Zu Amerell, dem früheren Sprecher des Schiedsrichter-Ausschusses, sagte Roth: «Dass das alles nicht passieren durfte - egal, was da im Einzelnen lief - ist völlig klar. Es war unverantwortliches Verhalten, das steht außerhalb jeglicher Diskussion. Manfred Amerell sieht das im Übrigen genauso und hat sich bei mir entschuldigt.» Unabhängig davon habe der Augsburg viele hervorragende Schiedsrichter herausgebracht. Die Staatsanwaltschaft Augsburg hat mittlerweile die Ermittlungen gegen Amerell abgeschlossen. Ob es zu einem Gerichtsverfahren kommt, steht noch nicht fest.


Nicht auf sich sitzen lassen will Roth die Kritik aus der DFL. «Herr Rauball hätte sich mal lieber richtig informieren lassen sollen. Es ist schon happig zu behaupten, wir wären ein Geheimbund, und das ist bei den Schiedsrichtern auch nicht gut angekommen.» Den beiden DFL-Vertretern Hellmut Krug und Holger Hieronymus, die auch in der neuen Kommission sitzen, wirft er vor: «In den ganzen Ausschusssitzungen haben sie fast nie etwas gefragt, wenig gesagt.»

Roth will noch bis Juni 2011 den DFB in der UEFA-Schiedsrichter- Kommission vertreten. Die Zunft der Referees sieht er nach seinem Abschied bestens aufgestellt. So wenige Platzverweise wie 2009/2010 habe es in der Bundesliga seit der Einführung der Gelb-Roten Karte 1990/1991 noch nie gegeben. In Italien und Spanien sind es etwa dreimal so viele. «Man kann auf nationaler und internationaler Ebene stolz sein auf unsere Schiedsrichter. Sie sind mittlerweile bei den Spielern und Vereinen akzeptiert, man vertraut ihnen. Das liegt auch daran, dass wir sie nicht sehr häufig wechseln.»

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