Nach dem verlorenen Champions-League-Finale will der deutsche Fußball-Rekordmeister FC Bayern München seine Mannschaft ohne viele Neuzugänge wachsen und reifen lassen.
«Ich bin der Meinung, dass wir einen sehr guten Kader haben. Wir werden sicherlich demnächst mit dem Trainer reflektieren, was getan werden muss für die nächste Saison, um die Qualität zu konservieren oder sogar zu verbessern», sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge in einem Interview der «Süddeutschen Zeitung». «Wir sind gut beraten, sehr sensibel mit Veränderungen umzugehen.»
Die Entwicklung der Mannschaft will der FC Bayern, der auch zu Gesprächen über eine vorzeitige Vertragsverlängerung von Trainer Louis van Gaal bereit wäre, nicht durch zu viele Zukäufe hemmen. «Wir haben ja an älteren Spielern über 30 nur Torwart Jörg Butt, Daniel van Buyten und Mark van Bommel. Selbst arrivierte Spieler wie Philipp Lahm oder Bastian Schweinsteiger sind gerade einmal Mittzwanziger. Auch Franck Ribéry und Arjen Robben sind ja nicht am Ende ihrer Karriere, sondern mittendrin», betonte Rummenigge. «Toni Kroos und Breno kehren zudem zurück, mit ihnen plant der Trainer perspektivisch. Das wird auch der Qualitätsverbesserung dienen.»
Punktuell soll aber dennoch etwas gemacht werden. «Was wir darüber hinaus machen, steht unter dem Aspekt einer hohen Qualitätsverbesserung. Ich weigere mich jedenfalls, mit Einkäufen Effekthascherei zu betreiben. Real Madrid ist da kein gutes Beispiel. Wenn man Geld ausgibt, muss man dies sehr konzentriert tun, wie wir es mit Robben getan haben», erklärte der Vorstandschef über den 24-Millionen-Euro-Zugang. Immer wieder war die Rede von einem Außenverteidiger als Zugang. Und im Finale gegen Inter Mailand warfen die Fehler in der Innenverteidigung zumindest die Frage auf, ob diese höchsten internationalen Ansprüchen genügen würde.
Die Leihgaben Breno (1. FC Nürnberg) und Toni Kroos (Leverkusen) kehren zum FC Bayern zurück, auch Edson Braafheid (Celtic Glasgow). Dagegen habe es mit Andreas Ottl (1. FC Nürnberg) noch keine konkreten Kontakte gegeben. «Wir werden in den nächsten Tagen ein Gespräch führen, ob Andreas dort bleiben möchte oder irgendwo anders hin will, wo er garantiert zum Zug kommt. Die Nürnberger sind hochzufrieden mit ihm, und er fühlt sich dort sehr wohl», erklärte Rummenigge. Ottls Zukunftsplanung steht im Zusammenhang mit dem Verbleib des selten eingesetzten Ukrainers Anatoli Timoschtschuk.
Erwartungsgemäß keine Zukunft hat Luca Toni, der an den AS Rom ausgeliehen war. «Ich hatte vor zwei Wochen ein Gespräch mit seinem Agenten», sagte Rummenigge. Dabei sei ihm mitgeteilt worden, «dass Luca gerne in Italien bleiben würde. Und ich habe ihm mitgeteilt, dass es für ihn beim FC Bayern wohl keinen Sinn mehr macht. Beide Seiten haben Klartext geredet.»
Gespräche über die Zukunft von Erfolgscoach van Gaal, der einen Vertrag bis zum 30. Juni 2011 hat, sind zur Zeit nicht geplant. Aber der Club wäre bereit. «Im Moment will er noch gar nicht mit uns verhandeln. Ich habe den Eindruck, er möchte erst einmal abschalten, er ist ja auch bis an die Grenze der Belastbarkeit gegangen. Seit Januar hatten wir ja eine Schlagzahl, die oberhalb der Schmerzgrenze war. Wir alle sind jetzt ziemlich kaputt», sagte Rummenigge. «Wir sind aber mit der Arbeit von Louis van Gaal total zufrieden, wir haben absolutes Vertrauen. Und wenn er uns ein Signal gibt, steht den Gesprächen nichts im Wege. Wir streben auch auf der Trainerposition Kontinuität an. Es ist ja historisch belegt: Wenn wir Kontinuität auf der Trainerposition hatten, hatten wir Erfolg.» Und in dieser Saison habe man «Gigantisches» erlebt.