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Vorstand Kraus: Kein Kompetenzgerangel beim HSV

Hamburg (dpa) - 18.05.2010, 10:29 Uhr

Katja Kraus auf dem Weg zu einer Aufsichtsratssitzung des HSV.
Katja Kraus auf dem Weg zu einer Aufsichtsratssitzung des HSV.

Vorstandsfrau Katja Kraus sieht in der Teilung der sportlichen Verantwortung beim Fußball-Bundesligisten Hamburger SV keinen Grund für mögliche Kompetenzstreitigkeiten.

«Es geht doch nicht darum, wer als Letzter irgendetwas entscheiden darf, sondern vielmehr darum, größtmögliche Kompetenzen für den HSV zu gewinnen, um gute Spieler rechtzeitig zu entdecken, an den HSV zu binden und hier weiterzuentwickeln», sagte Kraus dem «Hamburger Abendblatt».

Beim HSV sind neben dem Trainer, der derzeit gesucht wird, künftig zwei Personen für die sportliche Planung und Führung im Verein zuständig. Das ist zum einen der Chefscout des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Urs Siegenthaler, der zum 1. August als Talentesichter, Kaderplaner und Nachwuchsverantwortlicher beim norddeutschen Bundesligisten beginnen wird, und zum anderen ein Sportchef mit Vorstandssitz.

Diese Führungsperson auf dem Posten des früheren Sportdirektors Dietmar Beiersdorfer, für den der Niederländer und ehemalige HSV- Kapitän Nico-Jan Hoogma die besten Karten hat, ist Siegenthaler in der Club-Hierarchie übergeordnet. Siegenthaler soll laut Kraus jedoch die Philosophie vorgeben, «nach der sich der HSV in den kommenden Jahren ausrichten wird».

Für den ehemaligen HSV-Manager Günter Netzer ist es «höchste Zeit», die Phase ohne Sportchef beim HSV zu beenden. Eine komplette Saison ohne einen Sportchef sei «ein echter Nachteil», sagte der 65-Jährige der «Bild»-Zeitung. «Das macht keinen guten Eindruck.» Netzer bezieht in seine Kritik alle Vereinsebenen ein und sieht in der mageren sportlichen Ausbeute eine «Gesamtleistung von Aufsichtsrat, Vorstand, Trainerteam sowie Mannschaft».


Der HSV will die Zusammensetzung des Teams künftig verstärkt nach charakterlichen Kriterien vornehmen. «Wir haben keine schlechten Charaktere in der Mannschaft», sagte Katja Kraus, die als einzige Frau im Vorstand eines Fußball-Bundesligisten tätig ist. «Aber in diesem Jahr gab es zu viele Profis, die ihr eigenes Interesse über das Interesse der Gruppe gestellt haben. Das müssen wir in der kommenden Saison ändern.» Bei der Trainersuche habe man sich auf «eine überschaubare Kandidatenliste verständigt».

Die Proteste der Fans nach der schlechten Saison mit «Hoffmann raus»-Rufen seien schmerzhaft gewesen, sagte die frühere Torhüterin der deutschen Frauen-Nationalmannschaft. «Bernd Hoffmann steht für die positive Entwicklung des Vereins in den vergangenen Jahren. Und gleichermaßen wird die Enttäuschung der letzten Wochen an ihm festgemacht.» Ihre eigene Rolle als zwischenzeitliche Sportverantwortliche im Verein sieht die 39-Jährige kritisch. Man müsse konstatieren, «dass es im Verlauf der Rückrunde ein Vakuum gab», räumte die 2. Vorstandsvorsitzende ein.

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