Zweckgemeinschaft Slomka/Schmadtke bei 96
Hannover (dpa) - 17.05.2010, 13:24 Uhr
Trainer Mirko Slomka (l) und Sportdirektor Jörg Schmadtke während einer Pressekonferenz in Hannover.
Die Rettung in letzter Sekunde hat Hannover 96 ein ungewöhnliches Personalproblem beschert. Der Fußball-Bundesligist hat in Trainer Mirko Slomka und Sportdirekter Jörg Schmadtke zwei Männer unter Vertrag, deren Verhältnis in Hannover als angespannt gilt. Ein offenes Zerwürfnis gibt es zwar nicht, doch von einem harmonischen Miteinander kann auch nicht die Rede sein. «Ich erwarte, dass sich die Zusammenarbeit zwischen beiden entwickelt», formulierte Clubchef Martin Kind seine Ansprüche an das Duo, das in der vergangenen Saison eine Zweckgemeinschaft gebildet hat. Laut Schmadtke ist noch in dieser Woche ein Dreiergespräch zwischen ihm, Slomka und Kind geplant. «Ich denke, im Augenblick sind die Dinge relativ klar, aber solche Gespräche sind immer zielführend und hilfreich», erklärte der Manager. 96-Boss Kind hält große Stücke auf den früheren Bundesliga-Torwart, der aber wegen seiner knorrigen Art Akzeptanz-Probleme hat. Die öffentliche Meinung ist gespalten. Es gibt sowohl für Schmadtke als auch für Slomka Kritiker und Befürworter - was die Angelegenheit für Kind nicht einfacher macht.
«Über allem steht der Club, der gibt die Rahmenbedingungen vor», sagte Schmadtke. Als er im Mai 2009 verpflichtet wurde, war Dieter Hecking Trainer bei Hannover 96. Der nahm, unter starkem Druck der Öffentlichkeit, am 19. August 2009 nach nur zwei Spielen seinen Hut. Eine Entscheidung, die Kind im Nachhinein sehr kritisch betrachtet, wie er auf der Jahreshauptversammlung unlängst einräumte. Dort bezifferte er auch den finanziellen Verlust der abgelaufenen Saison mit rund fünf Millionen Euro. Deshalb dürfte schon aus wirtschaftlichen Gründen eine Trennung von Slomka (Vertrag bis Juni 2011) oder Schmadtke (Vertrag bis Februar 2012) dem Verein sehr schwer fallen. Slomka und Schmadtke sind gewissermaßen zur Zusammenarbeit verdammt, um eine wettbewerbsfähige Mannschaft für die nächste Saison zu bilden. «Das neue Gesicht steht noch nicht», räumte Schmadtke ein. In Kapitän Arnold Bruggink und Publikumsliebling Jiri Stajner verlassen zwei Routiniers den Verein. Andere erfahrene Profis mit auslaufenden Verträgen wie Sergio Pinto, Hanno Balitsch oder Steve Cherundolo möchte Kind gerne halten. Als Zugänge stehen bisher Lars Stindl (Karlsruher SC), Ron-Robert Zieler (Manchester United II) und - mit einem kleinen Fragezeichen - Moritz Stoppelkamp (Rot-Weiß Oberhausen) fest.
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