HSV-Possenspiel: Kein Trainer, kein Sportchef
Hamburg (dpa) - 11.05.2010, 12:46 Uhr
Für Urs Siegenthaler bleibt die Vorstands-Tür des HSV verschlossen.
Im eigenen Haus steigt eine Riesenparty, doch Gastgeber Hamburger SV versinkt im Streit. Bevor in der schmucken Hamburger Arena Atletico Madrid und der FC Fulham zum Tanz um die Trophäe in der Europa League bitten, hat der HSV schon wieder reichlich Porzellan zerschlagen. Der norddeutsche Traditionsverein führt einen neuen Akt im Possenspiel um Posten und Macht auf. Urs Siegenthaler wird nicht Sportchef beim HSV. Zwar kommt der Schweizer wie vereinbart am 1. August zum HSV, doch nur als Kaderplaner und Nachwuchsverantwortlicher. Der 62-Jährige muss sich künftig einem Sportchef mit Vorstandssitz unterordnen. So hat es der Aufsichtsrat verfügt. Das kommt überraschend, denn nur wenige Tage zuvor hatte Siegenthaler den Chefposten für sich reklamiert und gedroht: Neben mir ist kein Platz für einen weiteren Sportverantwortlichen. Ein Trost für Siegenthaler in seiner abgespeckten HSV-Rolle: Er darf auch weiterhin für den Deutschen Fußball-Bund (DFB) als Chefscout tätig sein. Es werde «eine gewisse Zeit für den DFB da sein», meinte Aufsichtsratschef Horst Becker. Als Vollzeit-Sportdirektor hätte der Baseler die attraktive und vermutlich auch lukrative Nebentätigkeit aufgeben müssen.
Mit der neuerlichen Posse verstärkt der HSV den verheerenden Eindruck der vergangenen Monate, geprägt durch sportlichen Tiefflug, Querelen und Trainerrausschmiss. Siegenthaler selbst wollte die Entscheidung des Kontrollgremiums nicht kommentieren. Fluchtartig und mit grimmiger Miene verließ er das noble Elysee-Hotel, um seinen Flieger nach Basel zu erreichen. Später ließ er ein kurzes Statement übermitteln: «Der Titel ist unerheblich, die Arbeit ist wichtig.» Er habe nur angeboten, dem Vorstand beizutreten, wenn dadurch Probleme gelöst werden. Dabei hatte der allseits gepriesene Fußball-Analytiker schon vor Monaten unmissverständlich erklärt, dass er kein Frontmann sei, im Hintergrund arbeiten möchte und sich nicht als Sprachrohr im sportlichen Bereich sehe. Die Vermutung liegt nahe, dass Vorstandschef Bernd Hoffmann Siegenthaler neben sich platzieren wollte und ihn deshalb zu einem öffentlich in Szene gesetzten Vorstoß überredete. Zum einen, weil er dessen Kompetenz schätzt, zum anderen, weil er in dem Schweizer offenbar keinen Widerpart sieht, der ihm auf Führungsebene die Stirn bietet. |