Dagegen steht in Berlin und Bochum ein kniffliger Neuaufbau bevor. Nach 13 Jahren und 442 Spielen hintereinander verabschiedete sich Hertha BSC aus der Beletage des deutschen Fußballs. Das Schlusslicht toppte den Peinlich-Rekord von Tasmania Berlin aus der Saison 1965/66: Tasmania hatte damals zumindest das erste und das letzte Heimspiel gewonnen, Hertha blieb in 16 Spielen im Olympiastadion nacheinander ohne «Dreier». Anders als der Hertha droht den Bochumern nicht der Ausverkauf. Nach dem bereits sechsten Abstieg nimmt man in Bochum mit mehr Routine den sechsten direkten Wiederaufstieg in Angriff. «Ich bin guter Dinge, dass wir auch diesmal wieder schnell zurückkehren», sagte Finanzvorstand Ansgar Schwenken. Die sportliche Ausgeglichenheit war ein Grund für den großen Fanzuspruch. Ungeachtet des neuen, im Vorfeld mit viel Kritik bedachten Spielplans mit einem Samstagabend-Spiel und einer Sonntag-Partie um bereits 15.30 Uhr passierten 12 990 967 Zuschauer und damit mehr als je zuvor die Stadiontore. Das entspricht einem Schnitt von 42 454 pro Partie. Vor einem Jahr hatte die DFL offiziell etwa 170 000 Besucher weniger ermittelt. Krösus ist erneut Borussia Dortmund mit rund 77 000 Fans pro Spiel. Laut Internetseite «weltfußball.de» rangiert der BVB damit auch in Europa auf dem ersten Platz vor dem FC Barcelona (76 828) und Manchester United (74 622). Nicht nur bei den Besucherzahlen purzelten Rekorde. Offenbar erfreut sich die Bundesliga auch im Ausland einer höheren Beliebtheit. Die Partie des deutschen Meisters FC Bayern bei Absteiger Hertha BSC war am Samstag in 197 Ländern zu sehen. Damit wurde die bisherige Bestmarke vom Dezember 2008, als Fans aus 167 Ländern das damalige Spitzenspiel der Bayern gegen 1899 Hoffenheim (2:1) im Fernsehen verfolgten, deutlich übertroffen. Trotz dieser in vielen Geschäftsfeldern positiven Entwicklung schwor DFL-Chef Seifert die Vereine auf einen strikten Sparkurs ein. Nach Boom-Jahren sieht er einige bedrohlich dunkle Wolken aufziehen. «Die Bundesliga ist kein Schlaraffenland, wo jedes Jahr automatisch mehr Geld vom Himmel fällt. Man muss den Spagat finden zwischen der Emotionalität und der Irrationalität auf der einen und der wirtschaftlichen Vernunft auf der anderen Seite.»
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