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Wiese provoziert nach Werder-Party - HSV am Boden

Bremen (dpa) - 09.05.2010, 11:31 Uhr

Werder Bremens Torwart Tim Wiese (m) bringt sich in Stellung.
Werder Bremens Torwart Tim Wiese (m) bringt sich in Stellung.

Tim Wiese heizte mit seinen Provokationen in Richtung Joachim Löw die grün-weiße Champions-League-Party an, Thomas Schaaf war in Gedanken schon beim Pokalfinale gegen die Bayern und die Hamburger flüchteten wieder einmal wie geprügelte Hunde aus dem ungeliebten Bremen.

«Die Mannschaft hat es sich verdient, bei den ganz Großen dabei zu sein», sagte Schaaf, der die Feierlaune etwas dämpfte: «Wir haben ein großes Programm vor uns, wir spielen am Samstag gegen die vielleicht beste europäische Mannschaft.» In seinen elf Jahren an der Weser ist er dreimal Pokalsieger geworden und hat den Titelhunger noch lange nicht gestillt.

«Man sollte auf Dauer in der Champions League schon dazugehören», betonte Geschäftsführer Klaus Allofs nach dem 1:1 gegen den Nordrivalen HSV mit Blick auf die fast sicher gebuchte siebte Teilnahme an der Königsklasse (Werder schaffte auch die bisherigen zwei Qualifikationen) mit den avisierten 15 Millionen Euro Einnahmen. So werde es leichter, Spieler wie Mesut Özil im Norden zu halten und mögliche Abwanderungsgedanken von Per Mertesacker im Keim zu ersticken.

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Der formstarke Wiese beschäftigte sich viel mehr mit seiner eigenen Karriere im Nationalteam, wo er seine Felle davonschwimmen sieht, was die Nummer 1 im deutschen Tor angeht. «Ich gebe jede Woche eine Visitenkarte ab, aber ich habe keine Lobby in diesem Land. Trotzdem werde ich weiter kämpfen, bis mir das Blut aus den Ohren tropft», sagte der aufgebrachte Keeper.

Allofs gab sich diplomatischer. «Ich habe vollstes Vertrauen, die Fakten sprechen für Tim als Nummer 1, ich hoffe für ihn auf einen fairen Zwei- beziehungsweise Dreikampf», sagte er und wollten auch mit Blick auf den guten Torsten Frings die Diskussion in Sachen Nationalmannschaft nicht noch einmal entfachen.


So locker und selbstbewusst wie der Manager die Ansprüche der Bremer formulierte, so kombinierten die Özils, Bargfredes und Pizarros. Rückpässe sind tabu, jede Bewegung geht nach vorn, die Laufwege klappen blind. Davon profitierte Claudio Pizarro nach Flanke von Clemens Fritz mit einem wunderschönen Hacken-Tor zu seinem 16. Saisontreffer. Dass er damit mit seinem Ex-Bayern-Kumpel Giovane Elber als bester Ausländer-Torschütze mit 133 Bundesliga-Treffern gleichzog, war das Sahnehäubchen.

«Ich habe nächste Saison noch ein Jahr - zum Glück spielt Giovane nicht mehr», sagte der Peruaner und kündigte weitere Großtaten an. «Claudio ist topfit, der Rekord ist eine außergewöhnliche Leistung», lobte Allofs. «Man kann nicht häufig genug betonen, wie wichtig er für uns ist. Es war ein sehr guter Griff, als ich ihn vor zwei Jahren von Chelsea zurückgeholt habe.» Pizzaro sei ein Vorbild für alle, betonte Allofs, dem besonders der Siegeswille seiner Bremer in den letzten Wochen imponierte.

Der ist dem ungeliebten Hamburger Nachbarn im Schluss-Spurt mal wieder abhanden gekommen. «Es ist unglaublich enttäuschend, aber wir haben kein Abonnement auf die Europa League», zog der Vorstandsvorsitzende des Tabellen-Siebten, Bernd Hoffmann, ernüchtert Bilanz: «Wir haben einiges liegenlassen.» Warum, das deutete auch der lange verletzte Eljero Elia in der Schlussviertelstunde an. Der Niederländer erinnerte dabei an die Hinrunde, als er genauso wie Zé Roberto, Marcell Jansen und Paolo Guerrero vor den Langzeitverletzungen Esprit verströmte.

Den konnte Interimscoach Ricardo Moniz in zwei Wochen nicht mehr vermitteln und wird wahrscheinlich keine Chance auf den Posten des Chefcoaches an der Elbe haben. «Werder hat eine Struktur und Philosophie, das zahlt sich immer aus, davor habe ich Respekt», sagte Moniz. Eine Saison Hausmannskost in der Bundesliga müssen die Topstürmer Ruud van Nistelrooy (Ausgleichstor/82.) und Mladen Petric nun ertragen. «Wir haben zu viele Häuptlinge und zu wenige Indianer, also zu wenige, die nur arbeiten», sprach Petric ein Hierarchie-Problem an.

Van Nistelrooy forderte, dass sich jeder hinterfragen sollte, «ob er für den Verein alles gibt. Wenn er das nicht macht, sollte er lieber weggehen». Und Frank Rost nahm angesichts des tiefen Frusts gar kein Blatt mehr vor den Mund: «Wenn zwei Trainer wie Huub Stevens und Martin Jol hintereinander gehen, dann spricht das für sich.»

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