Abschied mit Frust und Rekord: Blutleere Hertha
Berlin (dpa) - 08.05.2010, 17:57 Uhr
"Funkel raus" steht auf einem Transparent von Hertha-Fans.
Noch einmal holten die Fans zum Abschied auch die ganz alten Trikots raus: Rekdal, Marcelinho, Pantelic und Kruse war auf den Rücken von treuen Berliner Anhängern zu lesen. Die aktuelle Generation der Hertha-Profis steht für eine schwarze Saison - so schieden die blau-weißen Zuschauer nach 13 Jahren und 442 Bundesliga-Spielen mit Frust, Trauer und nur etwas Hoffnung. Während der neue deutsche Meister FC Bayern nach dem 3:1 (1:0) im ausverkauften Olympiastadion feierte, riefen die Hertha-Fans in der Ostkurve schon vor dem Anpfiff der Abstiegs-Vorstellung «Funkel raus». Auch Trainer Friedhelm Funkel konnte den beispiellos schnellen Untergang der «alten Dame», die noch vor einem Jahr von der Meisterschaft träumte, nicht verhindern. Ex-Coach Lucien Favre hatte nach eigenen Worten bis zuletzt gedacht, die Mannschaft könne sich noch retten. «Der Moment, als alles vorbei war, war auch schlimm für mich», sagte der im vorigen September entlassene Schweizer der «Berliner Zeitung».
Vor allem im sportlich und charakterlich offenbar völlig falsch zusammengestellten Kader und im eigenen Stadion liegt der Untergang begründet. Zwar wurde vielen Berliner Spielern auch von der Konkurrenz aus München nochmals versichert, dass sie eigentlich mit dem Abstieg nichts zu tun haben müssten. «Es ist schade für Hertha», sagte Bayern-Nationalspieler Bastian Schweinsteiger. Doch die Realität sah in der Saison nach dem Höhenflug - im Vorjahr hatte Hertha den FC Bayern noch 2:1 bezwungen und war Spitzenreiter - anders aus. Jetzt ist Hertha - wie gegen Bayern - nur noch blutleer. Die Neuaufstellung nach dem Abgang von Marko Pantelic, Josip Simunic und Andrej Woronin misslang; Winter-Korrekturen wirkten nur in Ansätzen. Am Schlusstag schafften es die Herthaner sogar noch, den Peinlich-Rekord von Tasmania Berlin aus der Saison 1965/66 zu toppen, der eigentlich als «ewige Bestmarke» galt. Tasmania hatte zumindest das erste und das letzte Heimspiel gewonnen, Hertha blieb in 16 Spielen im Olympiastadion nacheinander ohne «Dreier». Gegen die Bayern schwankten Spieler und auch Fans zwischen Erstliga-Fremdkörper und Trotz: Lange gaben die Profis den braven Feier-Partner der Münchner, die Zuschauer trauerten. |