6. Abstieg für Bochum - Hannover feiert Rettung
Bochum (dpa) - 08.05.2010, 18:57 Uhr
Die Hannoveraner Spieler jubeln vor den Fans über das 0:1.
Schwache Nerven, keine Spielkultur, kaum Gegenwehr - der VfL Bochum hat sich sang- und klanglos aus der Fußball- Bundesliga verabschiedet. Nach dem blamablen 0:3 (0:3) im «Endspiel» der Kellerkinder gegen Hannover 96 entlud sich der Frust der Fans. Nur der konsequente Einsatz der Sicherheitskräfte verhinderte ähnliche Zustände wie Mitte März in Berlin, als hunderte gewaltbereite Hertha-Fans die Spieler zur Flucht zwangen. Mit großem Aufgebot wurden die wenigen Hooligans, die es bis auf den Platz geschafft hatten, entweder in Gewahrsam genommen oder zurück auf die Tribüne getrieben. Trotz des bereits sechsten Absturzes ihres Clubs in die Zweitklassigkeit war die Verärgerung der Anhänger riesengroß. Hannovers Torschützen Arnold Bruggink (9.), Mike Hanke (23.) und Sergio Pinto (45.) besiegelten vor 30 748 Zuschauern im ausverkauften rewirpower-Stadion die fünfte aufeinanderfolgende Schlappe des VfL. Mit schonungslosen Worten kommentierte der für nur zwei Spiele verpflichtete Interimscoach Dariusz Wosz den schwachen Auftritt seiner Mannschaft. «Das war Angsthasenfußball. So kann man nicht in der Bundesliga bestehen», klagte der ehemalige VfL-Profi, «zu meiner Zeit war das anders, da wollten wir gewinnen.»
Dagegen feierten rund 10 000 mitgereiste Gäste-Fans am Ende einer turbulenten Saison überschwänglich den Klassenverbleib ihrer Mannschaft. Mit Spruchbändern, die an den im November verstorbenen Torhüter Robert Enke erinnerten, und lauten Gesängen huldigten sie den Profis und dem im Januar als bereits dritten Trainer verpflichteten Mirko Slomka. Der Retter in der Not genoss das Bad in der Menge und machte aus seiner großen Erleichterung keinen Hehl: «Die Mannschaft ist nach einer Saison voller Rückschläge zurückgekommen. Ich habe größten Respekt vor ihr», sagte der Fußball-Lehrer. Der Glaube seines Kollegen Wosz an eine Rettung in letzter Minute erwies sich schon nach wenigen Minuten als Wunschdenken. Gleich der erste vielversprechende Angriff der Gäste versetzte den ohnehin nicht vor Selbstvertrauen strotzenden VfL-Profis einen herben Dämpfer. Zum Entsetzen der heimischen Zuschauer beförderte Bruggink ein Zuspiel von Hanno Balitsch mit einem Schuss aus 14 Metern ins Tor. Das frühe 0:1 hinterließ mächtig Wirkung: Zwar mangelte es den Gastgebern weiterhin nicht an Einsatz, wohl aber an Durchschlagskraft und Qualität. Zudem taten sich in der Deckung bedenkliche Lücken auf. |