Konfetti und Trauer: Skurrile Bayern-Krönung
Berlin (dpa) - 07.05.2010, 18:24 Uhr
Auch in Berlin werden die Spieler des FC Bayern München Grund zum Jubeln haben.
Die Meister-Krönung gerät zur skurrilen Party. 75 420 Fans werden an diesem Samstag den 22. Meister-Titel des FC Bayern verhalten beklatschen und zugleich Hertha BSC in die 2. Liga verabschieden. So viele Zuschauer waren seit der Modernisierung des Olympiastadions im Jahr 2000 nicht mehr bei einem Spiel der Fußball-Bundesliga in Berlin dabei - möglich macht es eine Zusatz-Tribüne. Und obwohl alles schon entschieden ist, wird die Partie in 197 Ländern übertragen: TV-Rekord. Die bisherige Bestmarke stammt aus dem Dezember 2008, als Fans aus 167 Ländern das damalige Spitzenspiel der Bayern gegen 1899 Hoffenheim (2:1) im Fernsehen verfolgt hatten. In den Konfetti-Regen für die Münchner, die in der Tabelle drei Punkte und 17 Tore Vorsprung auf Schalke 04 haben, werden sich Tränen über einen hausgemachten und so besonders bitteren Hertha-Abstieg mischen. Seit dem 8. August des Vorjahres hat Hertha auf eigenem Rasen nicht mehr gewonnen - ein Hauptgrund für das Desaster. Und nun droht auch noch der traurige Rekord: Gelingt auch gegen die Bayern kein «Dreier», würde Hertha mit 16 Heimspielen nacheinander ohne Sieg die Negativ-Marke von Tasmania aus der Saison 1965/66 (15) toppen, die eigentlich als «ewiger Rekord» galt. Tasmania Berlin hatte damals das erste und das letzte Heimspiel gewonnen.
Bayern-Trainer Louis van Gaal, der als erster niederländischer Coach die deutsche Meisterschale in die Luft strecken darf, hat schon jetzt gedämpftes Feiern angemahnt. Denn mit dem DFB-Pokal-Finale eine Woche später an selber Stelle gegen Werder Bremen und dem Champions- League-Finale am 22. Mai in Madrid gegen Inter Mailand stehen für die Münchner Profis um den Wieder-Nationalkeeper Hans-Jörg Butt noch zwei ganz große Höhepunkte bevor. «Wir müssen den Fuß auf dem Gaspedal halten», forderte Bayern-Kapitän Mark van Bommel. Deshalb will der praktisch feststehende neue nationale Champion in Berlin bis auf den gesperrten Martin Demichelis mit voller Kapelle antreten, der komplette Kader wird mit in die Hauptstadt reisen. Doch die Münchner wollen sich nicht nur die Schale abholen. «Wir haben noch drei Ziele. Wir wollen die beste Verteidigung bleiben und können noch der beste Sturm werden. Und wir müssen in unserem Flow bleiben», sagte van Gaal am Freitag. Der obligatorischen Bierdusche nach dem Spiel würde der 58-Jährige am liebsten entgehen: «Ich habe zu meinen Spielern gesagt, dass ich das nicht liebe.» |