Der obligatorischen Bierdusche dürfte Louis van Gaal kaum entgehen, auch wenn der Trainer die Meister-Kicker des FC Bayern München eindringlich gewarnt hat.
«Ich habe zu meinen Spielern gesagt, dass ich das nicht liebe», verriet der stets akkurat im Anzug gekleidete Holländer vor dem Schaulaufen des Rekordchampions zum 22. deutschen Meistertitel in Berlin. «Aber okay, das sind die kleinsten Sorgen», ergänzte der 58-Jährige mit einem sanften Lächeln: «Ich muss mich anpassen an die deutsche Kultur.»
Gerätselt werden darf wohl nur, wer sich als erster Spieler am Samstag nach dem Abpfiff des letzten Saisonspiels gegen Absteiger Hertha BSC im ausverkauften Berliner Olympiastadion trauen wird. Van Gaal wird sicherlich Vorkehrungen für den weiteren Abend treffen. Ein zweiter Anzug dürfte im Reisegepäck sein, aber wenn er das vorab verrate, «lade ich die Spieler ein, mich mit Bier zu überschütten».
Bei drei Punkten und 17 Toren Vorsprung auf den Tabellenzweiten Schalke könnte sich van Gaal den Spaß und Luxus leisten, einige Stammspieler für das DFB-Pokal-Finale gegen Werder Bremen und das Champions-League-Endspiel gegen Inter Mailand zu schonen. Doch weit gefehlt, bis auf den gesperrten Martin Demichelis soll die beste Elf auflaufen. Denn ein Trainer wie van Gaal will immer gewinnen.
«Wir haben noch drei Ziele. Wir wollen die beste Verteidigung bleiben und können auch noch der beste Sturm werden. Werder Bremen liegt nur ein Tor vor uns. Und wir müssen in unserem Flow bleiben», betonte der Holländer am Freitag vor der Reise nach Berlin.
Die Bayern wollen weiter auf ihrer Erfolgswelle reiten und auf ihrem Weg zum historischen Triple nicht locker lassen. «Wir müssen den Fuß auf dem Gaspedal halten», mahnte Kapitän Mark van Bommel. «Das Spiel gegen Hertha ist auch eine Vorbereitung für die nächsten Wochen. Wir wollen die zwei Finals auch noch gewinnen», betonte Nationalspieler Philipp Lahm. Das Team will «Geschichte schreiben und eine unglaubliche Saison krönen», sagte van Bommel, der in Berlin einer Premiere entgegenfiebert. «Es ist etwas Besonderes, als Kapitän die Schale hochzuhalten», sagte der Holländer.
Nach der Übergabe der Schale im Berliner Konfettiregen wird der Rekord-Titelträger nach München zurückfliegen und in einem Nobellokal eine interne Meisterparty veranstalten. Mit den Fans geht die Sause dann am Sonntag weiter: Nach einem Autokorso vom Vereinsgelände zum Marienplatz wird die Schale um 15.00 Uhr auf dem Rathaus-Balkon präsentiert. «Das wird schön», prophezeite van Gaal.
Sein «schönstes» Erlebnis in dieser Hinsicht hatte er 1995 in Amsterdam. «Mit dem Boot sind wir nach dem Champions-League-Gewinn durch die Grachten gefahren. Da standen wohl eine Million Menschen am Ufer und auf den Wohnbooten. Das war unglaublich», erzählte van Gaal. Wenn er mit dem FC Bayern das Triple holen sollte, könnte es am 23. Mai bei einer Triumph-Fahrt über Münchens Straßen ähnlich spektakulär und berauschend werden.