96-Trainer Mirko Slomka muss im Abstiegskampf zwei Konkurrenten in Schach halten.
Abstieg, Relegation oder Rettung in letzter Sekunde - das Bundesliga-Trio VfL Bochum, 1. FC Nürnberg und Hannover 96 rüstet sich für das dramatische Herzschlagfinale.
Hannover (30 Punkte/-27 Tore) geht als Tabellen-15. aus der Pole-Position in den Endspielkrimi beim VfL (17./28 Punkte/-28) im mit 30 748 Fans ausverkauften rewirpower-Stadion und kann aus eigener Kraft den Klassenverbleib schaffen. Zur selben Zeit empfangen die Franken (16./28 Punkte/-27) vor 50 000 Anhängern den 1. FC Köln und können wie die Bochumer mit einem Heimsieg zumindest den Relegationsplatz erreichen. Alles ist möglich, jedes Tor zählt, und Nervenflattern ist garantiert.
Rund 10 000 «96»-Fans wollen die Niedersachsen zum Abstiegsgipfel ins Revier begleiten. Der Verein lässt im Gästeblock kostenlos mehr als 3000 rote T-Shirts mit der Aufschrift «Gemeinsam für die 1. Liga» verteilen. «Wir fühlen die besondere Unterstützung schon die gesamte Saison», sagte Kapitän Arnold Bruggink zum Schulterschluss mit den Anhängern. Trainer Mirko Slomka bemüht sich nach dem 6:1-Erfolg gegen Borussia Mönchengladbach, die Euphorie im Team zu dämpfen und änderte die gewohnten Abläufe trotz der brisanten Lage nicht. Gleichwohl gibt Jörg Schmadtke zu, dass die Anspannung steigt. «Jeder muss seinen Weg finden, wie er damit umgeht», sagte der Sportdirektor. Obwohl man längst alle Szenarien durchgespielt hat, empfiehlt Slomka, der eigenen Stärke zu vertrauen. «Wir wollen dem Gegner unseren Stempel aufdrücken. Dass wir das können, haben wir gezeigt.»
Bochum setzt nach der Entlassung von Heiko Herrlich auf die unter Interimscoach Dariusz Wosz wieder gewonnene Lockerheit und die Erfahrung im Abstiegskampf. «Wir haben den unbedingten Willen, die Klasse zu halten. Deshalb werden wir es schaffen», betonte Mimoun Azaouagh, dem unter Wosz wieder eine zentrale Rolle zukommt. «Die Freude am Training ist bei allen wieder da. Und wenn ich in die Augen jedes einzelnen schaue, erkenne ich deutlich das Leuchten.»
Wosz ist es zumindest gelungen, für einen Stimmungsumschwung im zuletzt verkrampften Team zu sorgen. Seine Philosophie ist einfach: «Die Jungs sollen im Training Spaß haben und dann auf dem Platz alles geben. Denn wenn es am Samstag darauf ankommt, dürfen wir die Nerven nicht verlieren.» Wie Hannover baut auch der VfL auf die rückhaltlose Unterstützung der Fans und die Symbolkraft von 10 000 weißen T- Shirts, die die Verbundenheit mit dem Club und der Stadt ausdrücken sollen. Aufschrift: «Gestern, Heute, Morgen.»
Fest an den Klassenverbleib glaubt «Club»-Coach Dieter Hecking vor der Partie gegen Köln. Wie seine Kollegen Slomka und Wosz hält Hecking nichts von Rechenspielchen, will nicht auf die Zwischenstände in Bochum schauen. «Wir müssen uns auf uns konzentrieren und erstmal unser Spiel gewinnen. Köln ist eine harte Nuss, die wir knacken müssen, erst dann können wir schauen, was anderswo los ist», betonte Hecking im «kicker». Dass sich sein Vertrag nur im Fall des Klassenverbleibs automatisch verlängert, spielt für Hecking eine untergeordnete Rolle: «Darüber mache ich mir die wenigsten Gedanken. Ich gehe davon aus, dass ich am Samstag mindestens ein weiteres Jahr Trainer beim 1. FC Nürnberg bleibe.»
Hannover (30 Punkte): Die Niedersachsen retten sich mit einem Sieg in Bochum. Auch mit einem Remis kann es für Platz 15 reichen, wenn Nürnberg nicht gewinnt.
Nürnberg (28 Punkte): Die Franken bleiben erstklassig, wenn sie gegen Köln gewinnen und Bochum und Hannover unentschieden spielen oder Bochum so knapp gegen Hannover gewinnt, dass die Nürnberger ihr um ein Treffer besseres Torverhältnis gegenüber Bochum verteidigen.
Bochum (28 Punkte): Die Bochumer sind weiterhin erstklassig, wenn sie gegen Hannover gewinnen und Nürnberg gegen Köln über ein Remis nicht hinauskommt. Sollte Nürnberg gegen Köln gewinnen, benötigen die Bochumer auf jeden Fall einen höheren Sieg als Nürnberg, um die um einen Treffer schlechtere Tordifferenz zu überbieten. Sollten Nürnberg und Bochum am Ende punkt- und torgleich sein, würde der direkte Vergleich zählen. Da hat Bochum (0:0, 1:0) die Nase vorn.