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Seifert warnt Bundesliga vor «bösem Erwachen»

Frankfurt/Main (dpa) - 04.05.2010, 11:21 Uhr

DFL-Geschäftsführer Christian Seifert mahnt bei den Bundesliga-Vereinen Sparsamkeit an.
DFL-Geschäftsführer Christian Seifert mahnt bei den Bundesliga-Vereinen Sparsamkeit an.

Mit einer deutlichen Warnung hat DFL-Boss Christian Seifert die Bundesliga-Vereine zum Saisonausklang auf einen strikten Sparkurs eingeschworen. Nach Boom-Jahren im Profigeschäft sieht der Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga einige dunkle Wolken aufziehen.

«Die Bundesliga ist kein Schlaraffenland, wo jedes Jahr automatisch mehr Geld vom Himmel fällt. Das müssen vor allem Spielerberater, aber auch die Spieler verstehen. Man muss den Spagat finden zwischen der Emotionalität und der Irrationalität auf der einen und der wirtschaftlichen Vernunft auf der anderen Seite», sagte Seifert in einem Interview der Nachrichtenagentur dpa und nimmt auch das Management der Vereine in die Pflicht.

Seifert hat im bezahlten Fußball seit geraumer Zeit Fehlentwicklungen ausgemacht, die «irgendwann mal so weit gediehen sein könnten, dass sie nicht mehr korrigierbar sind. Grundsätzlich sind die Managements und Aufsichtsgremien der Clubs gut beraten, sich auch weiterhin an wirtschaftlichen Realitäten zu orientieren», erklärte der 40-Jährige. «Ich läute nicht die Alarmglocken. Aber ein Signal muss rechtzeitig gesetzt werden, damit es kein böses Erwachen gibt.»

Laut Seifert hat die Bundesliga in der Vorsaison aus 1,7 Milliarden Euro Umsatz ein Ergebnis von 30 Millionen nach Steuern gemacht. Aus zwei Milliarden Euro - wenn man die 2. Bundesliga hinzurechnet - seien 11 Millionen Gewinn nach Steuern geworden. «Da kann etwas nicht stimmen. Die Gründe, die dazu geführt haben, werden wir im Ligavorstand diskutieren», kündigte Seifert an.

Zwar hat die DFL bislang keinem Club die Lizenz für die Saison 2010/2011 verweigert, doch vor allem im Unterhaus gibt es einige Sorgenkinder wie Arminia Bielefeld. Der Bundesliga-Absteiger muss bis Anfang Juni zwölf Millionen Euro aufbringen, um die klaffende Etatlücke zu schließen und die endgültige Spielgenehmigung zu erhalten. Nach Informationen des «kicker» sollen die 18 Zweitligisten in dieser Saison ein Minus von 60 Millionen Euro angehäuft haben.


Diese Zahl wollte Seifert nicht bestätigen. Er unterstrich jedoch den Ernst der Lage: Nach den fetten Jahren mit steigenden Einnahmen aus dem Fernsehvertrag müssten die Vereine in den kommenden Spielzeiten Kostendisziplin üben. «Wenn die eine Kurve flacher wird, muss auch die andere Kurve flacher werden. Sonst würden die sich irgendwann an einem bestimmten Punkt kreuzen und das kann nicht in unserem Sinne sein», erklärte Seifert.

Vor dem letzten Spieltag zog der DFL-Geschäftsführer dennoch eine zufriedene Bilanz. «Ich glaube, dass auch diese Saison für die Bundesliga, für ihre Fans, für die Sponsoren, aber auch für die Medienpartner eine außergewöhnlich gute und positive war», sagte Seifert.

Zufrieden zeigte er sich auch mit den neuen Anstoßzeiten, über die vor Saisonbeginn heftig debattiert worden war. «Unterm Strich hat sich der neue Spielplan bewährt. Die Einführung des 18.30- Uhr-Spiels in der Bundesliga am Samstag funktioniert. Und selbst die ARD hat keine Sportschau-Zuschauer verloren. Sky ist damit zufrieden, das ZDF profitiert auch davon.»

Auch im europäischen Wettbewerb könne sich die Bundesliga sehen lassen. «De facto liegen wir heute auf Platz zwei hinter der Premier League, sowohl was die Umsätze angeht als auch die Verteilung der Gelder auf die Vereine, die international spielen», sagte Seifert. Und auch sportlich gehe der Trend nach mageren Jahren eindeutig nach oben. «Dass die Bundesliga den Spagat schafft zwischen wirtschaftlicher Vernunft und sportlicher Leistungsfähigkeit - das ist das eigentlich Bemerkenswerte. Diesen Spagat kontinuierlich fortzuführen, ist die große Herausforderung», sagte Seifert.

Ein Dorn im Auge sind ihm die Margen der Spielerberater, die im Millionenspiel kräftig mitverdienen. «Mir treiben die Summen auch Tränen in die Augen, wenn ich mir vorstelle, dass wir 10 bis 15 Prozent der Fernseheinnahmen sozusagen eins zu eins an die Berater überweisen. Denn wir müssen ziemlich hart daran arbeiten, dass dieses Geld reinkommt», meinte Seifert. Als nationale Liga könne die DFL die Regularien nicht ändern. «Deshalb bräuchte es dazu ganz dringend Vorgaben der FIFA», forderte er.

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