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Stolz statt Trauer: Fans feiern Schalke und Magath

Gelsenkirchen (dpa) - 02.05.2010, 19:49 Uhr

Felix Magath wirkt bei seiner Stadionrunde nicht ganz zufrieden.
Felix Magath wirkt bei seiner Stadionrunde nicht ganz zufrieden.

Ovationen statt Tränen und Trauer - trotz des abermals geplatzten Titeltraums feierten Fans und Spieler des FC Schalke 04 meisterlich. Nur Trainer Felix Magath mochte nach dem 0:2 (0:0) gegen Werder Bremen die «fantastische Atmosphäre» nicht so recht genießen.

«Dazu ärgere ich mich noch zu sehr. Ich muss erstmal verdauen, dass die Meisterschaft durch eine Fehlentscheidung entschieden wurde», giftete der 56-Jährige. Auch wenn ihm der große Coup wie im Vorjahr mit Wolfsburg nicht gelang, zog Magath vor dem Saisonfinale in Mainz ein positives Fazit. «Wir können mit dem zweiten Platz sehr gut leben. Wer hätte vorher gedacht, dass wir die Champions League erreichen. Wir sind froh und glücklich mit der tollen Saison», sagte der Trainer, der in seinem ersten Jahr auf Schalke fast alles umkrempelte und dem Revierclub mit dem Einzug in die «Königsklasse» auch wirtschaftlich eine neue Perspektive gab. Auf Augenhöhe mit dem FC Bayern München sieht er Schalke deshalb aber längst noch nicht: «Aber wir wollen die Lücke in den nächsten Jahren weiter etwas schließen.»

Magaths Unmut galt dem Schiedsrichtergespann um Knut Kircher, der bei einer Attacke von Per Mertesacker gegen Benedikt Höwedes (41.) den Elfmeterpfiff verweigerte. Schon vier Wochen zuvor beim 1:2 gegen den nun enteilten Rivalen aus München hatte Magath sich betrogen gefühlt. Er habe «den Eindruck», dass man dafür bestraft werde, «wenn man Entscheidungen einfach hinnimmt und nicht reklamiert». Kircher räumte nach Ansicht der TV-Bilder ein, dass man einen Strafstoß «hätte geben können». Und «Sünder» Mertesacker ordnete die Szene galant ein: «Manchmal brauchst du als Abwehrspieler auch ein wenig Glück.»

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Mit der «taktischen Meisterleistung» (Geschäftsführer Klaus Allofs) und Toren des Ex-Schalkers Mesut Özil (55.), der sich vor den Augen von Bundestrainer Joachim Löw in WM-Form präsentierte, und Hugo Almeida (64.) zerstörte Werder nicht nur Schalkes Hoffnung auf den ersten Meistertitel seit 52 Jahren. Bremen hat nun selbst beste Aussichten, Platz drei im Nordderby gegen den Hamburger SV zu verteidigen und dem Spitzenduo über die Qualifikation in die Champions League zu folgen. «Wir haben es in der Hand», sagte Allofs. Torsten Frings ist sicher: «Das lassen wir uns nicht mehr nehmen.»

Anders als 2001 bei der «Vierminuten-Meisterschaft», als Tränen in Strömen flossen, herrschte Partystimmung pur. «Oh, wie ist das schön» und «Schalke ist der geilste Club der Welt», stimmten die Fans an. So war die Enttäuschung der Profis schnell verflogen. Der Stolz auf eine Spielzeit, die dem Revierclub niemand zugetraut hatte, überwog. «Die Fans haben uns großartig gefeiert für unsere Saisonleistung», befand Torhüter Manuel Neuer. Bayerns Meister-Trainer Louis van Gaal war in der Ferne sogar ein bisschen neidisch auf Magath. «Ich habe gesehen, wie er gefeiert wird von seinem Publikum. Das habe ich noch nicht bekommen von meinen Fans», sagte der Niederländer bei «Liga Total».


Mittendrin stand Kevin Kuranyi, hatte feuchte Augen und war sichtlich berührt. «Danke Kevin für 5 super schöne Jahre!» hieß es auf einem Fan-Plakat. Fast alles deutet darauf hin, dass der Stürmer den Club nach seiner erfolgreichsten Spielzeit (18 Tore) verlässt. «Unser Traum ist leider geplatzt. Wir hätten noch etwas Größeres erreichen können», sagte der Stürmer, der sich die Anerkennung im Revier hart erarbeiten musste und seine Emotionen so begründete: «Es war das letzte Saison-Heimspiel. Ich spiele seit fünf Jahren hier und wurde zum ersten Mal so gefeiert. Das hat mir gut getan.»

Dem Eindruck, er habe Abschied für immer genommen, trat der 28- Jährige nur halbherzig entgegen. Und sein Berater Roger Wittmann heizte die Spekulationen weiter an. «Kevin wird mit großer Sicherheit ins Ausland gehen. Meine Meinung ist: Es würde mich sehr wundern, wenn er in Schalke bleibt», sagte Wittmann.

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