Kuranyis emotionaler (Saison-)Abschied
Gelsenkirchen (dpa) - 02.05.2010, 19:45 Uhr
Die Schalker Heiko Westermann (l) und Kevin Kuranyi feiern in der Nordkurve trotz Niederlage mit den Fans.
Mit leerem Blick und feuchten Augen schaute Kevin Kuranyi in die Schalker Nordkurve. Die königsblauen Fans feierten ihren Torjäger trotz der 0:2-Niederlage gegen Werder Bremen, ein Anhänger formulierte den sehnlichen Wunsch auf einem Plakat: «Danke Kevin für 5 super schöne Jahre! Und mehr? Hoffentlich!» Und mehr? «Es ist alles noch offen. Ich habe noch nicht entschieden. Die Sitzungen werden nächste oder übernächste Woche stattfinden», beteuerte der Stürmer, der nach Medienberichten Dynamo Moskau bereits seine Zusage für einen Wechsel gegeben haben soll. Einen Tag später heizte Kuranyis Berater die Spekulationen weiter an. «Kevin wird mit großer Sicherheit ins Ausland gehen. Meine Meinung ist: Es würde mich sehr wundern, wenn er in Schalke bleibt», sagte Roger Wittmann der Nachrichtenagentur dpa. Das ZDF hatte zuvor mit Berufung auf den Agenten berichtet, Kuranyi werde definitiv wechseln. Wittmann betonte jedoch, er könne auch einen Verbleib bei Schalke nicht komplett ausschließen, da er die Verträge nicht unterschreibe. Kuranyi lägen mehrere Angebote aus dem Ausland vor. Ab einem gewissen Alter gehe es auch um Geld, sagte Wittmann.
Nach dem emotionalen Rührstück wurde auch Felix Magath am Samstag zur Gefühlsdeutung herangezogen. Was hat Kuranyi so bewegt? Frust nach der verpassten Meisterchance? Oder Wehmut wegen eines bevorstehenden Abschieds? «Warum haben Sie ihn da nicht gefragt? Was fragen Sie mich?», blaffte der des Themas überdrüssige Schalke-Coach zurück. Kuranyi lieferte später eine dritte Interpretation für die Emotionen nach seinem womöglich letzten Heimspiel in der Arena: Genugtuung. War er seit seiner Ankunft in Schalke 2005 bei schwächeren Leistungen stets besonders kritisch beurteilt worden, zollte ihm das ganze Stadion nun Respekt. «Es war schön, weil ich mir in fünf Jahren alles erarbeiten musste, um so weit zu kommen wie heute, dass die Fans mich feiern, dass die Fans mich so verabschieden aus einer Saison. Das macht mich stolz», sagte er. |