Zé Roberto - nur ein Ein-Jahres-Missverständnis?
Hamburg (dpa) - 22.04.2010, 13:29 Uhr
Ze Roberto hat ein Angebot von Red Bull New York erhalten.
Hamburg (dpa) - Eigentlich spricht Zé Roberto ganz gut deutsch. In diesen unruhigen Zeiten beim Hamburger SV, in denen jedes Wörtchen auf die Goldwaage gelegt wird, bedient er sich allerdings eines portugiesischen Dolmetschers. Zé selbst redet nicht viel - lediglich zum jeweiligen Spielgeschehen gibt es ein paar Sätze von dem Vier-Millionen-Euro-Stareinkauf des Sommers 2009. Wohin es ihn möglicherweise im Sommer 2010 verschlagen wird und ob das lukrative Angebot von Red Bull New York nicht doch eine Überlegung wert ist - dazu schweigt der Brasilianer beharrlich. Natürlich hat er die traumhafte Offerte des ehemaligen HSV-Sportchefs Dietmar Beiersdorfer, der ihn vor seinem Abschied noch an die Elbe geholt hatte, sofort dementiert. «Ein Wechsel ist kein Thema», sagte der 35 Jahre alte Fußballer umgehend. Er habe noch große Ziele mit dem HSV, zudem sei seine Familie gerade erst von München in den Norden nachgezogen. Doch so ganz kann man nicht glauben, dass ihn dieser maßgeschneiderte Dreijahresvertrag des US-Clubs mit einem Jahresverdienst von 3,65 Millionen Euro netto gar nicht beschäftigt. Immerhin wäre das eine Verdoppelung seiner HSV-Bezüge. Und er könnte nach Beendigung seiner Karriere auf dem Rasen als Red-Bull-Botschafter bei der Fußball-WM 2014 und den Olympischen Spielen 2016 in seiner brasilianischen Heimat arbeiten.
Der gläubige Familienmensch Zé Roberto, der stets betont hat, seine Kinder nicht aus dem deutschen Schulsystem nehmen zu wollen, könnte angesichts der behutsam geplanten Rückkehr in seine Heimat schwach werden. Zumal Beiersdorfer, der nach einem Streit mit HSV-Vorstandschef Bernd Hoffmann geflüchtet war und nun für die weltweite Fußball-Sparte bei dem österreichischen Getränke-Hersteller verantwortlich ist, Zé Roberto später als Trainer in Sao Paulo einbinden will. Der Arbeitsvertrag des Hamburger Führungsspielers läuft zwar noch bis 2011. Doch beobachtet man ihn als Nebenmann von Kapitän David Jarolim vor der Abwehr über 90 Spielminuten, scheint ihm die Lust auf eine Erfüllung seines Engagements im kühlen Norden komplett verloren gegangen zu sein. Die nimmermüde Energie des steten Antreibers seiner Vorderleute flackert nach nur zehn Monaten beim Bundesliga-Siebten nur noch sporadisch auf. Hängt es nur damit zusammen, dass er stinkig ist auf Trainer Bruno Labbadia, der ihm nach seiner Knöchel-Operation die Regenerationsphase in der Heimat untersagte und im Januar schleunigst in kalte Gefilde zurückbeorderte? Der ehemalige Bayern- Akteur entschuldigte sich medienwirksam für sein Zuspätkommen, das so eigentlich gar nicht zu dem durchtrainierten Techniker passte. Doch warm geworden ist er danach nicht mehr mit seinem jungen Coach. Er empfindet es als Beleidigung, sich von dem nur neun Jahre älteren Chef haargenau erklären lassen zu müssen, wie lange er Fahrradfahren oder laufen sollte, um in den anstrengenden Europa- League-Wochen vollständig zu regenerieren. Labbadia hat für Zé Robertos Leistungsabfall eine andere Erklärung: «Dass er nicht mehr diese Lockerheit hat, ist nachzuvollziehen und für mich keine Überraschung. Er hat nicht diese Substanz und Form - er war drei Monate verletzt.» Es ehrt Labbadia, dass er sich vor seinen wichtigen Eckpfeiler stellt, der ihn - wie einige andere im Team - in der Endphase der Saison ziemlich alleingelassen hat.
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