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Krise in Hoffenheim - Hopp und Fans stinksauer

Sinsheim (dpa) - 11.04.2010, 10:58 Uhr

Hoffenheims Trainer Ralf Rangnick verlässt nach Spielende das Stadion.
Hoffenheims Trainer Ralf Rangnick verlässt nach Spielende das Stadion.

Mäzen Dietmar Hopp stürmte wütend in die Kabine und nahm sich die Mannschaft zur Brust, Trainer Ralf Rangnick musste die aufgebrachten Fans besänftigen: Die heile Fußball-Welt bei der TSG 1899 Hoffenheim ist nach dem 0:2 (0:0) gegen den 1. FC Köln endgültig zerbrochen.

«Mich hat erschreckt, was wir in diesem Jahr in Hoffenheim erlebt haben. Das heute war der Tiefpunkt, was die Einstellung betrifft. Das war der Tiefpunkt, was das Unvermögen vor dem Tor betrifft. Es ist unerklärlich für mich», übte Hopp ungewohnt heftige Kritik an den Spielern.

Die hatten, wie auch der Trainer, schon während des Spiels den geballten Frust der Fans zu spüren bekommen. «Rangnick raus» und «Scheiß Millionäre» schallte es lautstark durch die Rhein-Neckar- Arena. «Es ist schwer, wenn man von 15-Jährigen die Fäuste gezeigt bekommt», meinte Abwehrspieler Christian Eichner. Der harte Kern der Hoffenheimer Anhänger blockierte eine Stunde nach dem Abpfiff sogar die Stadionausfahrt des Mannschaftsbusses und konnte erst durch Rangnick beruhigt werden. «Warum soll es in Hoffenheim anders sein als in anderen Stadien. Wir können nicht erwarten, dass wir für unsere Leistung gefeiert werden», erklärte der ratlos wirkende Coach.

Die Reaktion der Fans war verständlich, denn die Hausherren boten eine erschreckend schwache und teilweise lustlose Vorstellung. «Wenn die Fans das Gefühl haben, dass die Mannschaft nicht das Äußerste herausholt, dann sind sie zu recht sauer - und das Gefühl kann man haben», polterte Hopp. Zuvor hatte er den Spielern in der Kabine die Leviten gelesen. «Er hat uns gefragt, was mit uns passiert ist. Er war enttäuscht und traurig», berichtete der verletzte Torhüter Timo Hildebrand, der Gerüchte um einen Wechsel im Sommer dementierte.

Trotz der rasanten Talfahrt halten die Vereinsbosse an Rangnick fest. «Ich stelle den Trainer nicht infrage, aber wir müssen wahrscheinlich harte Einschnitte machen. Was nicht heißt, dass wir viele neue Spieler verpflichten, sondern eher im Gegenteil. Wir müssen aus dem Potenzial, was wir haben, das Optimum herausholen - mit Ralf Rangnick», sagte Hopp.


«Wir haben keine Trainerdiskussion bei uns», stellte auch Geschäftsführer Jan Schindelmeiser klar. Für die Zukunft sieht er allerdings schwarz, sollte der Abwärtstrend nicht gestoppt werden können. «Wir haben bisher nur auf der Sonnenseite gelebt. Es ist bitter, wenn man jetzt in solch einem Prozess drinsteckt. Ich sehe die Gefahr, dass etwas weg bricht von dem, was wir hier aufgebaut haben. Es geht ein Stück weit Sympathie und Reputation verloren», redete Schindelmeiser Klartext.

Vor 26 950 Zuschauern schoss Adam Matuschyk die Kölner mit einem Doppelpack in der 46. und 82. Minute zum verdienten Erfolg und verstärkte damit die Krise bei den Badenern. «Mehr als wir zuletzt mit der Mannschaft gemacht und an Energie in die Mannschaft gesteckt haben, geht nicht», meinte Rangnick resignierend.

Er hat auch außerhalb des Platzes jede Menge Baustellen zu bearbeiten. Eine Woche nach der «Disco-Affäre», als sich sechs Profis im Anschluss an das 0:4 in Wolfsburg bis tief in die Nacht vergnügt hatten, sorgten Maicosuel, Franco Zuculini und Boris Vukcevic mit einer Undiszipliniertheit für neuen Wirbel. Das Trio kam zu spät zum Abschlusstraining und wurde von Rangnick für die Partie suspendiert. Die Fans reagierten auf die Vorfälle abseits des Rasens mit Hohn und Spott. «Ihr könnt jetzt feiern gehen» und «Auf zur Party», riefen sie den Profis zu.

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