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Ex-Profi Rau rechnet ab: «Fußball eine Scheinwelt»

Hamburg (dpa) - 25.03.2010, 16:00 Uhr

Tobias Rau (Foto von 2003) hat ein Jahr nach seinem Abschied vom Profi-Fußball kritisch Bilanz gezogen.
Tobias Rau (Foto von 2003) hat ein Jahr nach seinem Abschied vom Profi-Fußball kritisch Bilanz gezogen.

Ein Jahr nach seinem Abschied vom Profi-Fußball hat Ex-Nationalspieler Tobias Rau kritisch Bilanz gezogen und den «extremen Leistungsdruck» für sein frühes Karriereende verantwortlich gemacht.

«Der Job an sich ist ja fantastisch. Du spielst Fußball und verdienst damit sehr viel Geld. Aber Fußball ist eine Scheinwelt. Deinen eigentlichen Charakter kannst du in diesem Beruf nicht ausleben», sagte der 28-Jährige im Interview mit dem Magazin «11freunde». Die Konsequenz sei, dass man «zu einem ziemlich guten Schauspieler» werde.

Rau hatte seine Profi-Laufbahn nach Stationen beim VfL Wolfsburg, dem FC Bayern München und Arminia Bielefeld im Sommer vergangenen Jahres beendet. Er habe einfach den Leistungsdruck loswerden wollen, denn «keiner hat mir erklärt, wie ich damit hätte umgehen sollen». Wegen der extremen Konkurrenzsituation sei sich jeder selbst der Nächste. «Leistung und Erfolg sind im Fußball wichtiger als soziales Verhalten», beschrieb der siebenfache Nationalspieler seine Erfahrungen.

Der Wechsel zu den Bayern im Jahr 2003 habe die Situation für ihn noch verschärft. «Es war eine andere Welt. Automatisch haben sich die Erwartungen von Medien, Fans und Trainer extrem erhöht. Und damit musste ich alleine klar kommen. Mitgefühl in der Kabine gibt es nicht», erinnerte sich Rau an die Zeit bei den Münchnern. Einzig zu Mehmet Scholl habe er ein gutes Verhältnis gehabt. «Mehmet hat mir bald auch die Regeln in München erklärt.»

Die Prozentzahl der Spieler, die in ihrer Mannschaft einen Freund besitzen, schätzt Rau «auf unter drei Prozent». Denn: «Kein Fußballer würde es wagen, Hilfe von den Kollegen zu suchen. Regel Nummer eins in der Kabine ist: Niemals Schwäche zeigen!»

Druck und Stress im Fußball würden nicht abnehmen, glaubt Rau. Je mehr Geld im Spiel sei, je mehr Medien berichteten, je mehr Zuschauer ins Stadion kämen, desto größer sei der Druck. Die Bundesliga müsse lernen, «damit professionell umzugehen. Was heißt, dass man sich einfach noch mehr um die psychologische Ebene bemühen sollte». Rau hat festgestellt: «Da besteht eindeutig Nachholbedarf.»


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