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Nach Randale: Fan-Forscher hofft auf DFB-Impuls

Frankfurt/Main (dpa) - 23.03.2010, 16:34 Uhr

Polizisten drängen randalierende Zuschauer in Berlin zurück auf die Tribüne.
Polizisten drängen randalierende Zuschauer in Berlin zurück auf die Tribüne.

Fan-Forscher Gunter A. Pilz erhofft sich nach den Zuschauerausschreitungen von Berlin eine klare Botschaft des DFB-Sportgerichts. Das Kontrollorgan tagt am 24. März über die Randale nach dem Bundesliga-Spiel Hertha BSC gegen den 1. FC Nürnberg.

«Der falsche Weg wäre, jetzt an der Repressionsschraube zu drehen und die Fans noch mehr auseinander zu dividieren. Das Sportgericht kann auch über seine Strafmaßnahmen hinaus ein zukunftsweisendes pädagogisches Zeichen setzen und anregen, dass die Vereine mehr in die Kommunikation mit den Fans gehen», sagte der Sportwissenschaftler aus Hannover der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Hertha BSC drohen nach Paragraf 44 der DFB-Satzung eine Geldstrafe bis zu 250 000 Euro, eine Platzsperre oder Spielaustragung unter Ausschluss der Öffentlichkeit und rein theoretisch sogar eine Versetzung in eine tiefere Spielklasse. Rund 150 Chaoten aus dem Berliner Fanblock hatten nach der 1:2-Niederlage Herthas den Innenraum des Olympiastadions gestürmt und Sachbeschädigungen angerichtet. Der DFB-Kontrollausschuss unter Vorsitz von Anton Nachreiner legt dem Krisenclub ein unsportliches Verhalten in Tateinheit mit einem nicht ausreichenden Ordnungsdienst zur Last.

Die Vorfällen in Berlin hatten eine bundesweite Diskussion um die Sicherheit in den Stadien ausgelöst. Pilz hofft, dass bei der Verhandlung unter dem Sportgerichtsvorsitzenden Hans E. Lorenz geklärt wird, «was beide Seiten falsch machen». Er sprach sich dafür aus, die sogenannten «Ultras» und die anderen Fans mehr in die Pflicht zu nehmen und die «besonnenen Kräfte noch mehr zu stärken». Gleichzeitig meinte der Fan-Forscher. «Man darf nicht eine ganze Szene in Sippenhaft nehmen».

Dass sich das DFB-Sportgericht bei Sanktionen nicht nur auf Geldstrafen beschränkt, hat es erst am Montag und Dienstag in zwei anderen Fällen bewiesen: An Fans des 1. FC Nürnberg dürfen erstmals in der DFB-Sportgerichtsgeschichte bei zwei Auswärtsspielen keine Stehplatztickets und nur personalisierte Sitzplatzkarten verkauft werden. In dem Match am 27. Februar in Bochum waren mindestens acht Zuschauer im Nürnberger Fanblock verletzt worden, als zu Spielbeginn Leuchtkörper und Nebelkerzen gezündet wurden. Und der 1. FC Köln muss wegen Zuschauerausschreitungen in fünf Fällen nun im Auswärtsspiel am 10. April in Hoffenheim ganz ohne die Unterstützung eigener Anhänger auskommen.


Ein «Geisterspiel» hat es in der Bundesliga-Geschichte noch nicht gegeben, wohl aber in der 2. Liga: Alemannia Aachen musste am 27. Januar 2004 im gespenstisch leeren Tivoli-Stadion gegen den 1. FC Nürnberg antreten. «Club»-Trainer Wolfgang Wolf war bei der ersten Auflage der Partie am 24. November von einem Wurfgeschoss getroffen worden. Eine Platzsperre für ein Erstliga-Spiel erhielt einst Hansa Rostock, weil der Verein beim 2:0 gegen den FC St. Pauli im September 1995 seine Aufsichtspflicht verletzt hatte. Am letzten Spieltag der Bundesliga-Saison 2007/2008 musste der VfL Bochum seine Stehplatzränge sperren, weil Bochumer Hooligans zuvor in Bielefeld randaliert hatten.

Tabellenschlusslicht Hertha hatte nach den Untersuchungen der Ausschreitungen zusätzliche Konsequenzen angekündigt. Der Bundesligist setzt weiterhin auf die scharfe Verurteilung für die wenigen gewaltbereiten Anhänger und einen weiteren Dialog mit den Fans. Für 23 Randalierer hat der Verein eine bundesweit gültige Stadionsperre über drei Jahre ausgesprochen. Berliner Zeitungen sprechen von zehn weiteren Verboten, dies bestätigte Hertha-Sprecher Gerd Graus jedoch nicht: «Wie beim letzten Mal werden wir vorher die Verdächtigten anhören und dann über mögliche Verbote entscheiden.

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