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Polizeigewerkschaft: «Alles neu auf Prüfstand»

Berlin (dpa) - 15.03.2010, 13:17 Uhr

Die Polizei versucht die Situation im Berliner Olympiastadion zu beruhigen.
Die Polizei versucht die Situation im Berliner Olympiastadion zu beruhigen.

Nach den jüngsten Gewaltaktionen in deutschen Fußball-Stadien fordert die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) von Verbänden und Vereinen völlig neue Konzepte. «Es muss tatsächlich alles neu auf den Prüfstand», sagte Rainer Wendt, der DPolG-Bundesvorsitzende.

«Ich bin fassungslos. Offensichtlich hält die Chaoten nichts zurück», erklärte Wendt zu den Ausschreitungen nach dem Bundesliga-Spiel Hertha BSC gegen 1. FC Nürnberg. 100 bis 150 Randalierer aus dem Hertha-Fanblock hatten mit Holz- und Metallstangen den Innenraum des Olympiastadions gestürmt und dort randaliert. Wendt ordnete dem privaten Ordnungsdienst in Berlin Fehler zu, «der war ganz offensichtlich überfordert».

Wendt erneuerte die Forderung der Polizeigewerkschaft nach personengebundenen Eintrittskarten. Damit wären die potenziellen Gewalttäter in den Bundesliga-Stadion zumindest schon registriert: «Kombiniert mit einer vernünftigen Videoüberwachung» könne das Fortschritte bringen, unterstrich der Polizeigewerkschaftschef. Derzeit würden sich Störer und Gewalttäter auch in den Erstliga- Stadien kaum mehr von Strafen bedroht fühlen, nachdem es in den vergangen Jahren Gewalt eher nur im unterklassigen Fußball gegeben habe. «Wenn man mit Eisenstangen auf Ordner, Polizisten oder Spieler zugeht, müsste man eigentlich damit rechnen, ein paar Jahre ins Gefängnis zu kommen. Aber sie wissen, dass dies nicht passiert», beklagte Wendt eine noch immer zu geringe Bestrafung von Randalierern im Fußball: «Das ist Sache der Justiz.»

Zudem müssten in der Fan-Arbeit einiger Vereine und Verbände «völlig andere Schwerpunkte» gesetzt werden, sagte Wendt und kritisierte, dass die Clubs teilweise auch Kontakte zu gewaltbereiten Fan-Kreisen pflegen würden. «Es gibt noch ein völlig unverständliches Interesse, mit diesen Leuten zusammenzuarbeiten», erklärte Wendt. Die Vereine halten dagegen, mit diesen Kontakten auch die Szene mit beeinflussen zu können. Die Polizeigewerkschaft sieht außerdem die Wirkung der sogenannten Fanprojekte kritisch, es gebe «keine vernünftige Wirkungs-Analyse», meinte Wendt. Der Deutsche Fußball- Bund (DFB) und die Deutsche Fußball Liga (DFL) stecken pro Jahr rund 1,3 Millionen Euro in 47 sozialpolitische Fanprojekte.

Polizeieinsätze in deutschen Fußball-Stadien haben laut Wendt in der vergangenen Saison 1,5 Millionen Arbeitsstunden verschlungen, «das ist die Jahresarbeitsleitung von über 1000 Polizisten». Die Gesamtkosten sollen weit über 100 Millionen Euro liegen. Schon länger verlangt die Polizeigewerkschaft, dass sich DFB und DFL mit einer Sicherheitsgebühr, die bei rund 50 Millionen Euro liegen soll, daran beteiligen. Wendt sieht politisch vermehrte Zustimmung dafür: Die Innenminister von Mecklenburg-Vorpommern, Hamburg und Bremen hätten diese Forderung bereits unterstützt. Das Problem müsse nun «auf die Tagesordnung der Innenministerkonferenz» kommen, sagte der Chef der Polizeigewerkschaft.


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