Schon Ende Februar war es im Nürnberger Spiel beim VfL Bochum zu schweren Zwischenfällen im FCN-Fanblock gekommen. Randalierer hatten Magnesiumpulver entzündet, das schwer löschbar ist. Neun Menschen wurden verletzt, zwei erlitten schwere Verbrennungen. In Rostock hatte nach der Heim-Pleite des FC Hansa gegen Ahlen jüngst eine aufgebrachte «Fan»-Gruppe den VIP-Bereich belagert. Im Dezember des Vorjahres waren in Stuttgart der VfB-Mannschaftsbus vom Mob attackiert und die Spieler bedroht worden. Auch vor dem Zweitligaduell zwischen dem SC Paderborn und Hansa Rostock randalierten Gäste-Anhänger vor einem Lokal, es kam zu Sachbeschädigungen. Feuerwerksgegenstände und Waffen wurden sichergestellt. Insgesamt 43 aus der Hansestadt angereiste Fans wurden vorübergehend in Gewahrsam genommen, teilte die Polizei mit. «Mir fehlen da die Worte», sagte DFB-Sportdirektor Matthias Sammer am Sonntagabend im TV-Sender «Sky». Ausschreitungen wie jene in Berlin könnten für den Fußball «katastrophale Folgen» haben. Randalierer müssten «am Ende wissen, dass dies drakonische Folgen haben wird». 96-Coach Hecking ordnete die Vorfälle als «sehr bedenklich» ein und warnte: «Wir müssen aufpassen, dass der Fußball nicht wieder verkommt in alte Sitten.» Die Gründe scheinen vielschichtig: Die sogenannte Ultra- Bewegung, die ihren Ursprung in Italien und Südamerika hat, gewinnt offenbar in Deutschland immer mehr an Einfluss und Bedeutung. Gerade jüngere Fans nehmen soziale Probleme mit in die Stadien. Dazu verzweigt sich die gesamte Fan-Szene immer mehr, «schwarze Schafe» sind teilweise schwer herauszulösen. «Diese Idioten dürfen nicht die Oberhand bekommen», betonte Hecking. In Berlin versuchten rund 80 Ordnungskräfte zunächst zu deeskalieren. Erst nach einigen Minuten schritten Polizisten gegen die Randalierer im Stadion-Innenraum ein. Die Berliner Polizei und der Verein verteidigten die Deeskalations-Strategie. Diese hätten richtig entschieden, auf die Ausschreitungen von wenigen Chaoten «nicht vor laufenden Kameras und aller Augen mit aller Härte» zu reagieren, betonte Preetz. Die Chaoten zerschlugen mit Holz- und Metallstangen Plastik- und Glaswände im Bereich der Trainerbänke und drangen bis unmittelbar vor den Eingang in die Spieler-Kabinen vor. Die Nürnberger Spieler waren noch auf dem Platz von den Randalen überrascht worden und flüchteten in die Stadion-Katakomben. Mit diesen Ausschreitungen werde das «mühsam aufgebaute Image» wieder Kratzer bekommen, sagte Berlins Clubchef Werner Gegenbauer. Über Jahrzehnte hatte Hertha versucht, das Image ihrer Fans zu korrigieren, das seit den berüchtigten «Hertha-Fröschen» in den 70er Jahren beschädigt gewesen war. Nach Angaben der Polizei gab es direkt nach dem Spiel der Hertha gegen Nürnberg (1:2) 25 Festnahmen, vier Beamte seien leicht verletzt worden. Die Liga und der DFB sind auf der Suche nach einer einheitlichen Linie, wie das neue «Fan»-Problem gelöst werden kann. Aus Sorge um den verstärkten Einsatz von Pyrotechnik und die wachsende Gewalt in Stadien hatten sich noch vor einer Woche die Fanbeauftragten der Lizenzvereine in einem offenen Brief an alle Fußball-Anhänger gewandt und gewarnt: «Wir werden nicht tatenlos zusehen, wie sich die Fankultur von innen heraus selbst zerstört.»
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