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Hannover 96: Glückshormone im Abstiegskampf

Hannover (dpa) - 14.03.2010, 10:28 Uhr

Mirko Slomka kann sich über wiedererstarkte Hannoveraner freuen.
Mirko Slomka kann sich über wiedererstarkte Hannoveraner freuen.

Das «System Slomka» greift endlich, die Fans schweben im siebten Himmel, doch Hannover 96 tritt im Abstiegskampf auf der Stelle. Das umjubelte 2:1 (1:1) gegen Eintracht Frankfurt brachte die Mannschaft nicht weg vom Relegationsplatz 16.

«Wir sind alle sehr glücklich, haben aber nichts erreicht. Jetzt lassen wir die Zügel nicht los», sagte 96-Trainer Mirko Slomka. Er bedankte sich für die «unfassbar gute Unterstützung» beim Anhang. Viele der 38 847 Zuschauer hatten das Nürnberger Siegtor in Berlin nicht mitbekommen. Die Fans feierten den zweiten Sieg nacheinander so ausgelassen, als wäre der Klassenverbleib acht Runden vor dem Ende schon perfekt.

«Da sind Glückshormone frei geworden. Es war ein richtig geiles Gefühl», schilderte Verteidiger Christian Schulz die Stimmung beim ersten Bundesliga-Heimsieg seit dem 24. Oktober 2009. Nach dem Tod von Torwart Robert Enke hatten neun Niederlagen in Serie «96» in einen Abstiegskandidaten verwandelt. Die Tore von Leon Andreasen (14. Minute) und Sergio Pinto (57.) gegen schwache und disziplinlose Hessen verbreiteten Zuversicht. «Es war eine Erlösung, endlich mal zu Hause zu gewinnen», sagte Torschütze Andreasen. Der Däne gab aber auch zu: ««Es ist schwer, unten rauszukommen. Das muss man mit Herz machen und das haben wir getan.»

Noch vor vier Wochen hätte ein Rückschlag wie das Gegentor von Halil Altintop (45.+2) kurz vor der Pause das 96-Team völlig aus der Bahn geworfen. «Wir haben uns in der Kabine nach vorne gepusht», berichtete Routinier Steven Cherundolo. Der US-Boy lobte den Trainer: «Irgendwann wird man für die sehr, sehr intensive Arbeit belohnt.» Slomka wollte den Beitrag des Psychologen Andreas Marlovitz an der verbesserten Stabilität nicht überbewerten: «Jeder hat seinen Anteil daran. Gespräche mit Marlovitz sind normal.» Der Clubführung ist es mit Plakat- und Ticket-Aktionen gelungen, Team, Fans und Umfeld zu einem Nicht-Abstiegspakt zusammenzuschweißen.

Auch zwei Gelb-Rote Karten für die Eintracht-Profis Selim Teber (55.) und «Buhmann» Maik Franz (90.+1) spielten Hannover in die Karten. «Es tut mir verdammt leid. Es war ein kurzer Reflex. Zu elft hätten wir gewonnen», sagte Teber. Ihm unterlief ein völlig unnötiges Handspiel. Trainer Michael Skibbe ging nach der dritten Pleite nacheinander milde mit seinen Profis um, die sich viele Wortduelle mit Schiedsrichter Peter Gagelmann geliefert hatten: «Ich bin total unzufrieden mit den ersten 20 Minuten. Da waren wir zu passiv. In Unterzahl haben wir das Spiel dominiert. Es war mehr drin.»

«Da wird alles gegen uns gepfiffen. Ich will zwar die Schuld nicht beim Schiedsrichter suchen. Aber er war bestimmt auch ein Grund für die Niederlage», haderte Abwehrspieler Marco Russ. Da Russ mit einer Oberschenkelverletzung ausgewechselt werden wurde, ließ Skibbe den übermotiviert wirkenden Franz im Spiel. «Maik muss den Mittelweg zwischen Aggressivität und Mannschaftsport finden», kritisierte Clubchef Heribert Bruchhagen den 28 Jahre alten Abwehrrecken, der sich mit Constant Djakpa harte Duelle am Rande des Regelwerks lieferte. In Franz, Teber und Patrick Ochs sind drei Frankfurter für das nächste Heimspiel gegen Tabellenführer Bayern München gesperrt.


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