Die weiße Weste ist verloren, der Offensivzauber dahin - muss Bayer Leverkusen auch die Meisterschale abschreiben? Die Rheinländer mussten mit dem 2:3 (0:2) beim 1. FC Nürnberg ihre allererste Saisonpleite hinnehmen - nach zuvor 24 Ligaspielen ohne Niederlage.
«Wir haben vieles vermissen lassen. Wenn man so spielt, kann man nicht erfolgreich sein», grantelte Leverkusens Trainer Jupp Heynckes. Binnen zwei Wochen ist Bayer in der Fußball-Bundesliga damit von ganz oben auf Rang drei abgestürzt. Eric Maxim Choupo-Moting (42./45.+1) und Mickael Tavares (55.) hatten die abstiegsbedrohten Franken zwischenzeitlich gar mit 3:0 in Führung geschossen. Leverkusens späte Treffer durch Stefan Kießling (66.) und Patrick Helmes (77.) konnten an der ersten Bundesligapleite unter Heynckes nichts mehr ändern. Damit steht die Werkself im Klassement nun sogar hinter Schalke 04, der Abstand zum Spitzenreiter FC Bayern beträgt schon drei Zähler. Nürnberg kletterte dafür zum ersten Mal seit zehn Spieltagen auf einen Nicht-Abstiegsplatz.
«Es hat für uns heute nicht gereicht, weil wir nicht aggressiv genug waren», meinte Jung-Nationalspieler Toni Kroos, der wie seine Mitstreiter kaum Akzente setzte. «Wir waren zwar nicht die schlechtere Mannschaft, haben uns bei den Gegentoren aber doof angestellt.» Nürnbergs Coach Dieter Hecking freute sich, dass «wir nicht nur gekämpft, sondern auch Fußball gespielt haben. Wir hatten in der Schlussphase zum ersten Mal in dieser Saison etwas zu verlieren, haben Leverkusens Angriffe aber gemeinsam überstanden».
Eine gut gestaffelte Hintermannschaft der Nürnberger machte es dem Favoriten vor 40 329 Zuschauern von Beginn an schwer. Aus dem Spiel heraus gelang Leverkusen fast nichts, einzig bei Standardsituationen entstand ab und an Gefahr. Ansonsten spielte Bayer kleinlich und ineffektiv. Zwei Leverkusener Unachtsamkeiten reichten dem Abstiegskandidaten zur Führung: Zunächst düpierte Choupo-Moting den in dieser Saison bislang überragenden Sami Hyypiä und Nebenmann Manuel Friedrich, ließ beide ins Leere laufen und schob den Ball platziert an René Adler vorbei ins Tor.
Als die Gäste mit ihren Gedanken schon in der Kabine schienen, schlug der 20-jährige Stürmer gleich nochmal zu: Sträflich allein gelassen schlenzte die Leihgabe des Hamburger SV den Ball ins Tor.