Wirbel um eine E-Mail - DFL und FC Bayern drängen
München (dpa) - 05.03.2010, 15:15 Uhr
Manfred Amerell (vorn) geht am 4. März in den Verhandlungssaal des Landgerichts München.
Der Deutsche Fußball-Bund kann den Fall Manfred Amerell noch lange nicht zu den Akten legen. Schwere Anschuldigungen des ehemaligen Schiedsrichter-Funktionärs und eine pikante E-Mail des in die Affäre verwickelten FIFA-Referees Michael Kempter haben den DFB unter Druck gesetzt. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) sieht dringenden Handlungsbedarf und will den Fall Kempter bei der DFB- Präsidiumssitzung am 12. März in Frankfurt/Main zur Sprache bringen, Rekordmeister Bayern München hofft auf Aufklärung durch den DFB. Amerell hatte nur wenige Stunden nach der außergerichtlichen Einigung im Streit mit dem DFB in München in der TV- Sendung «Kerner» für Wirbel gesorgt. Der 63-Jährige präsentierte eine angeblich von Kempter an seine Adresse verfasste E-Mail. Darin soll der 27-Jährige vor der 0:2-Niederlage von Bayern München in der Champions League am 11. April 2007 gegen den AC Mailand an Amerell geschrieben haben: «Hoffentlich fliegen die Bayern gleich raus, dann können wir anstoßen.»
Amerells neue Enthüllungen machten die DFL und Bayern München mobil. Liga-Präsident Reinhard Rauball und Bayerns Vorstands-Chef Karl-Heinz Rummenigge einigten sich in einem Telefonat laut Rauball darauf, «dass unter anderem das Thema Kempter unter Einschluss der öffentlich gemachten E-Mails im Rahmen der Gesamtaufarbeitung der 'Thematik Schiedsrichterwesen' bei der kommenden Präsidiumssitzung zur Sprache gebracht wird». Bayern München will den «Vorgang Kempter» gemeinsam mit dem DFB verfolgen. «Nach Rücksprache und in Absprache mit dem Deutschen Fußball-Bund werden die in dieser E-Mail gemachten Aussagen bezüglich des FC Bayern München nun vom DFB geprüft. Wir haben in dieser Angelegenheit vollstes Vertrauen in den DFB», hieß es in einer Pressemitteilung des Clubs. |
Der DFB hat in einer ersten Reaktion den zunächst für das Zweitliga-Spiel zwischen Union Berlin und dem MSV Duisburg vorgesehenen Kempter wieder abgesetzt, für ihn leitet der Hamburger Patrick Ittrich die Partie. In der Frankfurter Verbandszentrale beschäftigte sich der DFB auch mit den schweren Vorwürfen Amerells in der SAT.1-Sendung. Der Augsburger Hotelier bezeichnete die DFB- Behauptung, er sei von seinen Ämtern zurückgetreten, als «eine glatte Lüge. Ich wurde erpresst, das so zu machen». Der DFB wies den Erpressungs-Vorwurf umgehend zurück. «Die Behauptung von Herrn Amerell, er sei in Bezug auf den Rücktritt von seinen Ämtern erpresst worden, weist der DFB entschieden als falsch zurück», teilte der Verband mit. Als «völlig absurd» bezeichnete DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach in der Pressemitteilung Amerells Vorwürfe gegen den Verband und Präsident Theo Zwanziger. «Sie sind der verzweifelte Versuch, von seinem gravierenden Fehlverhalten abzulenken», sagte Niersbach. Amerell plauderte in der TV-Sendung persönliche Details über sein Verhältnis zu Kempter («Es war keine Liebesbeziehung. Ich mochte ihn sehr gern») aus, sprach über seine Neigungen und präsentierte sehr intime E- Mails. Schwere Geschütze fuhr Amerell gegen DFB-Präsident Theo Zwanziger auf. «Er hat in blindwütiger Art und Weise zwei Menschen, die damit geschädigt und kaputt sind, und ihre Ehre auf dem Altar der Öffentlichkeit geopfert», sagte der Ex-Funktionär. Zwanziger merke nicht, dass «es hier um Menschen geht, nicht um Holzstücke». Unabhängig von der Reaktion des DFB wird der Schiedsrichter-Skandal ein Nachspiel haben. Amerell will gegen Kempter und drei weitere ihn belastenden Schiedsrichter, deren Namen ihm jetzt bekannt sind, klagen. «Mit allen vier wird sich in kürzester Zeit die Staatsanwaltschaft beschäftigen», sagte Amerell.
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