Duell der Nerven: Freiburg und «96» wollen Wende
Freiburg (dpa) - 05.03.2010, 18:18 Uhr
Freiburgs Trainer Robin Dutt steht gegen Hannover 96 eine Nervenprobe bevor.
Selten sind zwei Mannschaften mit einer schlechteren Ausgangsposition und einem dünneren Nervenkostüm in ein Bundesliga-Spiel gegangen: Der SC Freiburg ist seit zehn Spielen ohne Sieg, Hannover 96 hat die vergangenen neun Partien verloren. Dennoch sagt SC-Trainer Robin Dutt vor dem Duell im Badenova- Stadion: «Wir können deutlich mehr gewinnen, denn wir können uns einen Sechs-Punkte-Vorsprung auf 96 erarbeiten.» Denn Hannover war am Sonntag auf einem Abstiegsplatz gerutscht. Freiburg möchte das mit dem ersten Heimsieg seit fünf Monaten verhindern. Wie an einen letzten Strohhalm klammern sich beide Mannschaften an ihre Leistungssteigerungen in der vergangenen Woche. Hannovers Clubchef Martin Kind nennt das unglückliche 0:1 gegen Wolfsburg einen «Wendepunkt. Es ist eine gewisse Aufbruchstimmung, aber sie muss sich natürlich jetzt insbesondere in Freiburg bestätigen», sagte er. Dutt sprach nach dem 1:1 in Mönchengladbach von «einem Erfolgserlebnis», das den Aufsteiger in eine «positivere Ausgangslage» versetzt habe als 96. Personell gab es zuletzt für beide gute Nachrichten: Beim SC kehrt Kapitän Heiko Butscher nach auskuriertem Muskelfaserriss zurück. Hannovers Trainer Mirko Slomka kann wieder Stürmer Didier Ya Konan und Mittelfeld-Antreiber Leon Andreasen einsetzen.
In diesem Kellerduell wird sich auch zeigen, welche Form der Krisenbewältigung erfolgreicher war. Während Slomka seine Spieler in den vergangenen Wochen mitunter deutlich und öffentlich kritisierte, setzte sich Dutt dem Vorwurf der «Schönfärberei» aus. Selbst nach dem 0:3 gegen Hertha BSC, dem sechsten Heimspiel in Serie ohne Torerfolg, stellte er sich vor sein Team. «Über die negativen Dinge spreche ich nicht öffentlich. Darauf können sich die Spieler 100-prozentig verlassen», lautet sein Credo. Auch deshalb hält der 44-Jährige die «Grundstimmung in Freiburg» für besser als in Hannover, Nürnberg oder Berlin. «Ich glaube, das ist das große Plus im Kampf um den Klassenverbleib gegenüber den anderen Mannschaften. Die haben schon wieder richtig Feuer unterm Dach», meinte er. In Hannover äußert sich das in der nächsten Trainerdiskussion im Umfeld, auch wenn Kind eine weitere Entlassung zuletzt ausschloss. Sollte Slomka aber auch sein siebtes Spiel als 96-Coach verlieren, hätte er nicht nur einen Negativrekord in der Bundesliga aufgestellt, sondern müsste wohl auch ernsthaft um seinen Job bangen. «Wir wollen keinen vierten Trainer in dieser Saison», betonte Torwart Florian Fromlowitz. In Freiburg brauchen die Spieler sich derlei Gedanken nicht zu machen. Dort kündigte der kommissarische Präsident Fritz Keller an, mit Dutt notfalls auch in die 2. Liga gehen zu wollen. Der ehemalige Nationalspieler Jan Schlaudraff ist von Slomka erneut aussortiert worden. Der Offensivspieler soll nach Slomkas Angaben ebenso wie Verteidiger Sofian Chahed in der Oberliga gegen Tennis Borussia Berlin spielen. Bereits in der Vorwoche hatte der 96-Coach Schlaudraff am Tag vor dem Punktspiel gegen den VfL Wolfsburg aus dem Profikader gestrichen und ihm fehlende Leidenschaft im Training vorgeworfen.
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