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DFB und Amerell mit außergerichtlicher Einigung

München (dpa) - 04.03.2010, 17:05 Uhr

Manfred Amerell betritt vor der Verhandlung das Landgericht München.
Manfred Amerell betritt vor der Verhandlung das Landgericht München.

DFB-Präsident Theo Zwanziger möchte die pikante Akte ein für alle Mal schließen, doch Manfred Amerell will von einem Schlusspfiff im Schiedsrichter-Skandal noch lange nichts wissen.

Der ehemalige Referee-Funktionär und der Deutsche Fußball-Bund (DFB) schlossen nach einem dreieinhalbstündigen Gütegespräch im Münchner Justizpalast zwar einen außergerichtlichen Vergleich. Nach der Beschluss-Verkündung vor dem Landgericht München I erhielt Amerell aber die von ihm angestrebte Einsicht in die Eidesstattlichen Erklärungen der vier bisher anonymen Schiedsrichter und erfuhr dabei auch deren Namen. Aus dem Umfeld seiner Anwälte wurde bekannt, dass Amerell womöglich Strafanzeige gegen die Belastungszeugen des DFB stellen wird. Dies könnte der Angelegenheit eine völlig neue Wendung geben.

Als der Vorsitzende Richter Peter Lemmers das «friedliche und einvernehmliche» Ende des delikaten Verfahrens (AZ 25 O 32345/10) bekanntgab, warf Amerell ein zufriedenen Blick zu den rund 200 Zuschauern im Saal 210. Der 63-jährige Hotelbesitzer aus Augsburg hat ein Etappenziel erreicht. Dem von Justiziar Jörg Englisch und dem Berliner Medien-Anwalt Christian Schertz vertretenen DFB droht ein Strafprozess. «Der DFB hat korrekt gehandelt», sagte Zwanziger in einer ersten Reaktion. «Es gibt klare Ergebnisse, die Transparenz ist da. Der DFB ist kein Verband, in dem versteckt und gemauschelt wird», so Zwanziger in einer live übertragenen Pressekonferenz. Er habe alles «im Griff», betonte der Verbandsboss.

Amerells Münchner Anwalt Jürgen Langer hatte zuvor den Unterlassungsantrag zurückgezogen. Der DFB darf also weiter öffentlich behaupten, Amerell habe in der Vergangenheit mehrere Schiedsrichter sexuell bedrängt und/oder belästigt.

Bereits am Vortag hatten sich die Parteien um eine außergerichtliche Einigung bemüht, was aber laut Richter Lemmers am Fußball-Länderspiel scheiterte. In dem Gütegespräch in einem Nebenzimmer wurde Amerell verpflichtet, die Namen der ihn belastenden Referees nicht zu veröffentlichen. Eine Zuwiderhandlung wird mit 25 000 Euro Geldbuße bestraft. Nach der nicht-öffentlichen Vorlesung der Eidesstattlichen Erklärungen verließen beide Parteien das Gerichtsgebäude durch einen Hinterausgang.


Amerell ist von seinen Ämtern inzwischen zurückgetreten und bestreitet weiterhin alle Vorwürfe, der DFB hatte den Fall vor zwei Wochen für abgeschlossen erklärt. Das Ergebnis der Verhandlung in München könne dem DFB egal sein, sagte Zwanziger auf einer Pressekonferenz am 24. Februar. Am Vorabend drohte er überraschend mit persönlichen Konsequenzen. «Wenn wir diesen Prozess verlieren, muss ich selbstverständlich sofort von meinem Amt als DFB- Präsident zurücktreten», sagte er vor dem Länderspiel gegen Argentinien dem «kicker».

Sollte der Ex-Referee Amerell Recht bekommen, hält Zwanziger Konsequenzen für unvermeidbar. «Dieser Fall träte ein, wenn die Aussagen aller jungen Schiedsrichter, die wir zu schützen haben, und ihre eidesstattlichen Erklärungen falsch wären. Denn dann wäre Herr Amerell das Opfer». Laut «kicker» erwägt der zuletzt heftig in die Kritik geratene Zwanziger offenbar, die Vertrauensfrage zu stellen. Über die Einberufung eines außerordentlichen Verbandstages am 30. April wird diskutiert.

FIFA-Referee Michael Kempter, der im Dezember den Fall ins Rollen gebracht hatte, soll am 7. März wieder auf den Fußballplatz zurückkehren und ein Spiel der 2. Bundesliga pfeifen. Der Münchner Zahnarzt Franz-Xaver Wack, der vor zweieinhalb Jahren noch zur schwarzen Zunft des DFB gehörte, versteht sich bei der Aufklärung der delikaten Affäre als «Vertrauensmann» der jungen Referees, hat laut Zwanziger aber keinen offiziellen Auftrag des DFB. Wacks jüngste Behauptung, DFB-Schiedsrichter-Chef Volker Roth habe schon vor fünf Jahren von den angeblichen Neigungen Amerells gewusst, begegnete Roth mit einer Klage-Androhung.

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