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Die Entwicklung im Fall Amerell

München (dpa) - 04.03.2010, 17:05 Uhr

Manfred Amerell geht am 4. März in den Verhandlungssaal des Landgerichts München (Oberbayern).
Manfred Amerell geht am 4. März in den Verhandlungssaal des Landgerichts München (Oberbayern).

Nach über zwei Monaten, in denen der Fall Amerell den deutschen Fußball beschäftigte, hat die Affäre ihr vorläufiges Ende gefunden. Die Deutsche Presse-Agentur dpa dokumentiert den Ablauf.

17. Dezember 2009: Bundesliga-Referee Michael Kempter wendet sich an den Schiedsrichter-Chef des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Volker Roth, und teilt ihm mit, von Obmann Manfred Amerell sexuell bedrängt worden zu sein.

15. Januar 2010: Roth informiert den DFB-Präsidenten Theo Zwanziger über Kempters Vorwürfe.

4. Februar 2010: Der DFB beruft eine Präsidiumssitzung zur «Causa Amerell» ein. In der Folge melden sich weitere Schiedsrichter beim DFB und geben an, von Amerell sexuell belästigt worden zu sein.

10. Februar 2010: Die Vorwürfe gelangen an die Öffentlichkeit, Amerell bestreitet sie. Alles sei «aus der Luft gegriffen». Der in Schiedsrichter-Angelegenheiten zuständige DFB-Vizepräsident Rainer Koch gibt seine Verantwortlichkeiten für diesen Bereich ab. Es sei «nicht hinnehmbar», nicht früher von Roth informiert worden zu sein.


11./12. Februar 2010: In internen Anhörungen spezifizieren nach Kempter weitere Schiedsrichter ihre Vorwürfe gegen Amerell. Die Aussagen bleiben intern, die Namen der Referees anonym. «Unabhängig voneinander haben mehrere Personen in den Anhörungen zu Protokoll gegeben, von Herrn Amerell in der Vergangenheit bedrängt und/oder belästigt worden zu sein», teilt der DFB mit.

12. Februar 2010: Aus «gesundheitlichen Gründen» zieht sich Amerell als Sprecher der deutschen Schiedsrichter zurück. Zuvor hatte er seine Ämter bereits ruhen lassen. «Wir nehmen den Schritt zur Kenntnis und halten ihn für richtig und notwendig, weil Erkenntnisse vorliegen, die leider die im Raum stehenden Vorwürfe gegen Herrn Amerell bekräftigen», teilt der DFB mit.

23. Februar 2010: Kempter erneuert seine Vorwürfe gegen Amerell in mehreren Interviews. «Ich hatte einfach Angst um meine Karriere als Schiedsrichter. Und ich habe mich geschämt. Ich habe versucht, es zu verdrängen, aber es kam immer wieder hoch. Und als ich gemerkt habe, dass es noch mehrere Fälle gibt, habe ich mich durchgerungen, etwas zu sagen», sagt Kempter der «Bild»-Zeitung.

24. Februar 2010: Der DFB erklärt den Fall Amerell mit dessen Rücktritt für abgeschlossen. Das Ergebnis der auf Amerells Initiative für den 4. März angesetzten mündlichen Verhandlung «kann uns egal sein», sagt Zwanziger.

27. Februar 2010: Verschiedene Medien berichten, dass sich ein junger Referee beim DFB gemeldet und von Annäherungsversuchen Kempters am 13. Mai 2009 in einem Düsseldorfer Hotel berichtet habe. Kempter weist die Anschuldigungen zurück.

28. Februar 2010: In einer spontan einberufenen DFB- Pressekonferenz geben drei weitere junge Schiedsrichter gegenüber ausgewählten Medien an, sich von Amerell belästigt gefühlt zu haben. Ein weiterer will Derartiges auf einem Lehrgang beobachtet haben. Sie wollen anonym bleiben, unterschreiben aber eidesstattliche Erklärungen. Amerell habe sich «die Lieblinge so geschaffen, wie er wollte», berichtet einer. Als externer Vertrauensmann der Referees stellt sich der ehemalige Schiedsrichter Franz-Xaver Wack vor. «Es ist ein so komplexes Netzwerk, wo wir selbst noch nicht wissen, ob das schon das Ende ist», sagt Wack. DFB-Präsident Zwanziger schließt nicht aus, dass gegen Amerell staatsanwaltlich ermittelt wird.

3. März 2010: Roth gibt bekannt, dass Kempter am 7. Februar erstmals nach Bekanntwerden der «Causa Amerell» wieder ein Zweitliga- Spiel pfeifen soll.

4. März 2010: DFB und Amerell einigen sich nach Gesprächen außergerichtlich. Die geplante öffentliche Anhörung vor dem Münchner Landgericht fällt daher aus. Amerell zieht den Antrag auf Erlass einer Einstweiligen Verfügung auf Unterlassung zurück. Der DFB darf demnach weiter behaupten, Amerell habe in der Vergangenheit mehrere Personen sexuell bedrängt und/oder belästigt. Im Gegenzug erhält Amerell die Originale der Eidesstattlichen Versicherungen der vier ungenannten Referees, die ihm sexuelle Belästigung vorwerfen.

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