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Referee-Skandal schockt «Kaiser» - Neue Vorwürfe

München (dpa) - 02.03.2010, 20:21 Uhr

Schiedsrichter Franz-Xaver Wack leitet ein Spiel in der Fußball-Bundesliga.
Schiedsrichter Franz-Xaver Wack leitet ein Spiel in der Fußball-Bundesliga.

Angesichts immer neuer Vorwürfe im Schiedsrichter- Skandal hat sich auch Franz Beckenbauer schockiert gezeigt. Als «unvorstellbar» bezeichnete das Präsidiumsmitglied des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) mögliche Formen von Machtmissbrauch oder gar sexueller Belästigung.

«Vielleicht ist das ja auch erst der Anfang einer Lawine», sagte Beckenbauer der Deutschen Presse-Agentur dpa in München. Dort soll die Angelegenheit um den ehemaligen DFB-Funktionär Manfred Amerell am 4. März vor dem Landgericht in einer öffentlichen Verhandlung juristisch aufgearbeitet werden. Amerell, den Beckenbauer seit mehr als 40 Jahren kennt, bestreitet alle Vorwürfe.

Der ehemalige Bundesliga-Referee Franz Xaver Wack, der sich als Vertrauensmann betroffener Unparteiischer bezeichnet, beschuldigte Amerell erneut massiv. In der Sendung «Blickpunkt Sport» des Bayerischen Rundfunks erklärte Wack: «Es sind wirklich - und das kann man jetzt auch schon in der Öffentlichkeit sagen - sexuelle Übergriffe passiert in Form, dass Testregel-Antworten den Schiedsrichtern gegen den Austausch sexueller Gefälligkeiten gegeben wurden.»

Dies konnte Schiedsrichter Michael Kempter, der den Fall mit seinen Äußerungen über Amerell ins Rollen gebracht hatte und inzwischen von einer «Schlammschlacht» spricht, allerdings nicht bestätigen. «Ich hatte keine Einblicke in Schiedsrichtertests. Ich habe das auch nur von dem Kollegen gehört», sagte Kempter der dpa. Der 27-Jährige wusste noch nicht, ob er beim Zweitligaspiel am 5. März zwischen Düsseldorf und Fürth wie zunächst geplant erstmals wieder pfeifen wird. «Ich wäre auf alle Fälle bereit», unterstrich Kempter.

Bei «Welt online» legte Wack nach: «Das ist unsäglich. Die Beweislast gegen Amerell ist einfach erdrückend. Nun versucht er, uns in Misskredit zu bringen. Am 27. Februar wurde Michael Kempter der Homosexualität bezichtigt, am folgenden Tag DFB-Präsident Theo Zwanziger als Rechtsbrecher bezeichnet und nun bin ich der Rufmörder.»


Zudem droht Wack nun auch noch Ärger «im eigenen Lager». Wack hatte unter anderem im DSF behauptet, er habe schon 2005 Verdacht gegen Amerell geschöpft, deshalb Kontakt mit dem Schiedsrichter- Ausschuss-Vorsitzenden Volker Roth aufgenommen und darauf hingewiesen, dass es Hinweise für Amtsmissbrauch bei Amerell gebe. Roth soll nach Wacks Angaben nicht reagiert und den Verdacht «abgetan» haben. «Danach ist nichts passiert», sagte Wack. Roth konterte jetzt bei «kicker online». «Wenn Franz-Xaver Wack diese Behauptung aufrechterhält, werde ich ihn verklagen», sagte Roth.

Von Wacks Treffen mit Amerells Ehefrau Margit habe er nichts gewusst, sagte Kempter im TV-Sender «N24» und betonte: «Mir geht es einzig und allein um die Tatsache, dass Manfred Amerell sein Amt missbraucht hat.» Eine von Amerells Anwalt öffentlich gemachte SMS habe sich nicht auf eine mögliche intime Beziehung zwischen ihm und Amerell bezogen, sondern sei rein beruflich gemeint gewesen. «'Ich komm ohne dich auch nicht klar.' - das war ja auf die Schiedsrichterei bezogen. Er hat mir ja ständig gedroht, dass alles über ihn geht, er in die Einsetzungen mit involviert ist», sagte Kempter, der nicht bei der mit Spannung erwarteten Verhandlung in München sein wird. Spätestens bei der Verhandlung dürften auch die Namen weiterer Betroffener bekannt werden.

Das Landgericht München I wird dann einen Unterlassungsantrag Amerells behandeln. Dabei soll auch geklärt werden, ob der DFB weiter behaupten darf, «dass Herr Amerell in der Vergangenheit mehrere Personen bedrängt und/oder belästigt hat». Spätestens bei der Verhandlung dürften die Namen weiterer Betroffener bekannt werden.

Beckenbauer zeigte sich besorgt über die Entwicklung des Falls. «Wie willst du das lösen? Das hat eine Eigendynamik bekommen. Jeder sagt irgendwas, jeder gibt seinen Senf dazu», sagte der «Kaiser». Für den DFB sieht Beckenbauer keine schnelle Lösung, obwohl Präsident Theo Zwanziger den Fall schon vor zwei Wochen für seinen Verband für abgeschlossen erklärt hatte. «Es ist wie beim Wettskandal, das eskaliert jetzt eben. Was willst du machen?», fragte Beckenbauer. Manchmal gebe es eben solche Konstellationen: «Da musst du mit den Unebenheiten fertig werden.»

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