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«System Zwanziger»: DFB gerät in Amerells Visier

München (dpa) - 01.03.2010, 18:37 Uhr

Margit Amerell (M) zusammen mit ihren Anwälten Lutz Paproth (l) und Jürgen Langer (r) in München.
Margit Amerell (M) zusammen mit ihren Anwälten Lutz Paproth (l) und Jürgen Langer (r) in München.

Der Anwalt von Manfred Amerell hat DFB-Präsident Theo Zwanziger scharf angegriffen und sprach von einem «System Zwanziger». Der frühere Schiedsrichter-Obmann Amerell wird von vier Fußball-Referees der sexuellen Belästigung bezichtigt. Amerell bestreitet die Vorwürfe.

«Es sind skandalöse Umstände, dass ein Herr Franz-Xaver Wack kommt, zum Präsidenten geht und die ganzen Protokolle bekommt, die wir bis heute nicht kennen», sagte Amerells Anwalt Jürgen Langer in München. Er ergänzte: «Wir fragen uns, wieso einem Unbeteiligten, der seit zwei Jahren keine Funktion beim DFB mehr hat, intime Details aus Vernehmungsprotokollen zur Einsicht bereitgestellt werden». Wack, der als externer Schiedsrichter-Betreuer beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) tätig ist, sei als «zentrale Figur an einer Verleumdungskampagne beteiligt».

Wack dementierte umgehend, Protokolle zur Einsicht bekommen zu haben. «Die Behauptung, dass ich im Fall Amerell in Besitz einer DFB- Akte sei, ist schlichtweg falsch. Der DFB hat mir weder eine Akte überlassen noch jemals Einblick in eine entsprechende Akte gegeben», ließ er über den DFB mitteilen. «Mein Wissen über die Vorgänge habe ich ausschließlich aus den Schilderungen der betroffenen Schiedsrichter, die sich an mich gewandt haben.» Ein DFB-Sprecher bestätigte am Abend: «Fakt ist, dass Herr Wack keinen Einblick in die DFB-Akten bekommen hat. Sollte Herr Langer dies behaupten, wird der DFB dagegen mit einer Unterlassungserklärung vorgehen.»

Im Münchner Landgericht I ist am 25. Februar die Verhandlung über den Unterlassungsantrag Amerells angesetzt. Es geht dort auch um die Frage, ob der DFB weiter behaupten darf, «dass Herr Amerell in der Vergangenheit mehrere Personen bedrängt und/oder belästigt hat». Wie am Montag bekannt wurde, wird die Verhandlung in jedem Fall öffentlich sein. «Aus dieser Geschichte werden nur noch Verlierer herausgehen», sagte Anwalt Langer bei einer Pressekonferenz, an der auch Amerells Ehefrau Margit teilnahm.

Sie berichtete von einem Treffen mit Wack in Augsburg am frühen Samstagmorgen, auf das der Zahnarzt gedrängt haben soll. Wack habe behauptet, «mittlerweile die Vernehmungsprotokolle des DFB gelesen zu haben». «Er hat gesagt, dass er mir jetzt die Wahrheit erzählen muss, dass alles ganz fürchterlich ist», erklärte Margit Amerell. Von insgesamt bis zu zehn Schiedsrichtern sei die Rede gewesen, die Anschuldigungen gegen ihren Mann erhoben hätten. Wack selbst hatte im Fall Amerell am Sonntag von einem «so komplexen Netzwerk» gesprochen, «wo wir selbst noch nicht wissen, ob das schon das Ende ist».


Nach der neuesten Medien-Offensive der Amerell-Seite sprach Michael Kempter, der als erster Schiedsrichter Amerell öffentlich belastet hat, von einer «Schlammschlacht». «Die Fakten sind klar», meinte Kempter. Amerell drehe «jetzt alles anders hin».

Nach Kempter waren vier weitere junge Referees in die Offensive gegangen, hatten Kempters Behauptungen bestätigt und alle Einstweilige Verfügungen unterschrieben. Drei fühlten sich sexuell von Amerell belästigt, ein Vierter will Derartiges auf einem Lehrgang beobachtet haben. Alle wollten anonym bleiben. «Herr Amerell möchte denjenigen in die Augen sehen, die ihn hier beschmutzt haben», sagte Langer. Die Freundschaft zwischen Amerell und Wack war 2005 zu Bruch gegangen, als sich Wack erstmals über Amerell beim DFB beschwert hatte. Vor zweieinhalb Jahren hatte Wack seine Karriere beendet.

Obmann Amerell habe sich «die Lieblinge so geschaffen, wie er wollte. Er hat sie auch als Lieblinge bezeichnet gegenüber anderen Schiedsrichtern. Der hat einem das Leben so dermaßen kaputt gemacht und stellt sich jetzt als Opfer hin», hatte ein Referee berichtet. Kempter, der die Causa Amerell ins Rollen gebracht hatte, könnte schon diese Woche wieder auf den Fußballplatz zurückkehren. Der 27-Jährige wurde nach längerer Pause vom DFB für die Zweitliga-Partie zwischen Fortuna Düsseldorf und Greuther Fürth angesetzt. Allerdings ist Kempters Einsatz nach den jüngsten Turbulenzen äußerst fraglich. Zu seiner eventuell bevorstehenden Rückkehr schon in Düsseldorf sagte Kempter: «Ich weiß es nicht, da müssen Sie den DFB fragen.»

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