96 taumelt in Richtung 2. Liga - 0:1 gegen Wölfe
Hannover (dpa) - 28.02.2010, 18:50 Uhr
Die Hannoveraner Djakpa (l) und Schulz (M) nehmen Wolfsburgs Grafite den Ball ab.
Zum neunten Mal in Serie verloren, doch mit viel Beifall verabschiedet: Zumindest die Fans von Hannover 96 haben ihre Mannschaft nach dem bitteren 0:1 (0:0) im Niedersachsen-Derby gegen den VfL Wolfsburg und dem erstmaligen Absturz auf einen Abstiegsplatz noch nicht abgeschrieben. Die Zahlen sprechen indes eine andere Sprache, 96 hat eine Bilanz des Grauens. Das Team wartet seit 13 Runden auf einen Sieg, stellte den Negativrekord aus dem Abstiegsjahr 1985/86 ein und ist die Mannschaft mit den meisten Gegentoren. Sie taumelt unter Trainer Mirko Slomka, der seine sechste Niederlage kassierte, ungebremst der 2. Liga entgegen. «Das tut weh», klagte Innenverteidiger Karim Haggui. «Trotz der guten Leistung haben wir wieder keine Punkte geholt, deshalb können wir nicht zufrieden sein.» 96 hofft nun auf einen Befreiungsschlag beim Abstiegskonkurrenten SC Freiburg. «Wir haben ein entscheidendes Spiel nächste Woche», sagte Haggui. «Da müssen wir die Power aus dem Wolfsburg-Spiel mitnehmen. Darauf können wir aufbauen», ergänzte Torwart Florian Fromlowitz. Der Keeper zeigte wie die gesamte Mannschaft gegen den verhalten auftretenden deutschen Meister eine gute Leistung, war aber beim Siegtor von Zvjezdan Misimovic (78.) chancenlos.
Bereits vor der Partie hatte es bei den Hausherren Ärger um Angreifer Jan Schlaudraff und Verteidiger Konstantin Rausch gegeben. Beide wurden von Slomka kurzfristig aus dem Kader gestrichen. «Sie haben im Training nicht die Begeisterung und Leidenschaft gezeigt, die ich erwartet habe», erklärte der 96-Coach. Die von ihm auf fünf Positionen umgestellte Mannschaft spielte erstmals in der Rückrunde mit großer Hingabe, wurde aber nicht mit einem Punkt belohnt. «Wir haben mit den Fans eine echte Einheit gebildet. Das hat die Mannschaft gespürt», bedankte sich Slomka für die Unterstützung der 34 314 Zuschauer im 16. Niedersachsen-Derby. Auch VfL-Coach Lorenz-Günther Köstner fand anerkennende Worte für den Nachbarclub: «Hannover hat aus meiner Sicht gut gespielt. Die Fans haben die Mannschaft fantastisch unterstützt.» Aber er war auch mit seiner eigenen Mannschaft zufrieden, die drei Tage nach dem 4:1 gegen Villarreal ihren Aufwärtstrend mit einem glanzlosen Arbeitssieg fortsetzte. «Es ist erst das dritte Zu-Null-Spiel in dieser Saison», betonte Köstner. Auch Manager Dieter Hoeneß lobte die Abwehr, die in der 87. Minute Glück hatte, als Arnold Bruggink die größte Ausgleichschance vergab. «Ich freue mich für Torwart Marwin Hitz. Er hat die drei Punkte festgehalten», sagte Hoeneß. Die Wolfsburger blieben in der Offensive blass. Edin Dzeko und Grafite, der von Brasiliens Nationalcoach Carlos Dunga in das Aufgebot der Selecao für das Länderspiel an diesem Dienstag gegen Irland in London berufen wurde, konnten sich nur selten gegen die neu formierte 96-Abwehr durchsetzen. «Der WM-Traum lebt wieder. Ich will einen guten Eindruck hinterlassen», sagte Grafite über die Nominierung.
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