In Leverkusen beginnt wieder das Zittern, die Bayer-Werksfußballer bangen trotz ihres Bundesliga-Rekords um die Früchte der Saison. Wer vom Start an 24 Mal nacheinander nicht verliert, will insgeheim auch deutscher Meister werden.
Doch dieses nie ausgesprochene Ziel ist spätestens seit der mageren Nullnummer im 50. rheinischen Derby gegen den 1. FC Köln gefährdeter denn je. Bayer-Spielmacher Toni Kroos sprach es schonungslos aus: «Wir haben doch schon einige Punkte liegenlassen» - das elfte Unentschieden 2009/2010 war vor 30 210 Zuschauern in der ausverkauften BayArena ein herber Rückschlag.
Aber die Leverkusener reagierten mit Trotz. «Unser primäres Ziel heißt Europa. Und da sind wir auf einem guten Weg», betonte Nationaltorhüter René Adler, der gegen Sebastian Freis Kopf und Kragen riskieren musste, um in der 33. Minute das 0:1 zu verhindern. Bayer-Chefcoach Jupp Heynckes ging nach zuvor sechs Heimsiegen in Serie verbal in die Offensive: «Auch das werden wir wegstecken.» Der 64-Jährige weigerte sich, trotz des wohl schwächsten Auftritts seiner Elf unter dem Bayer-Kreuz in dieser Spielzeit negative Tendenzen zuzulassen: «So weit würde ich nicht gehen.»
Dennoch räumt Heynckes ein, dass irgendwie die Nerven flattern: «Im Vorfeld wurde eigentlich nur noch über die Höhe des Ergebnisses diskutiert.» Das hätten wohl auch seine Spieler registriert und seien dann vielleicht nicht mehr so konzentriert gewesen, wie es sein müsste. Der uninspirierte und überaus zähe Fußball, den seine Kicker boten, sollte Heynckes zu denken geben. Er kennt das Gerede von «Vizekusen», und er weiß um die Stärke des Rekordmeisters aus München, Schwächen eines Titelkonkurrenten gnadenlos auszunutzen.
Adler brachte es nach den 90 Minuten gegen aufopferungsvoll kämpfende Kölner auf den Punkt: «Um ganz oben anzuklopfen, gibt es einige Unentschieden zu viel von uns.» Von der Meisterschaft wollte der Bayer-Schlussmann trotz historischer Bestmarke in puncto Unbezwingbarkeit nicht reden. Heynckes beugte gleichermaßen vor: «Man kann nicht immer davon ausgehen, dass man alle Spiele gewinnt.»
Chancen, das prestigeträchtige Nachbarschaftsduell für sich zu entscheiden, hatte auch Bayer, die größte durch Abwehrchef Sami Hyypiä, dessen wuchtiger Kopfball (13.) nach Ansicht von Sportdirektor Rudi Völler «mehr drin als draußen war». Ob Kölns Keeper Faryd Mondragon auf oder knapp hinter der Linie klärte, musste Schiedsrichter Knut Kircher blitzschnell entscheiden - und tat dies gegen Leverkusens Finnen.
Zum Glück für die Kölner, die nach der 1:5-Pleite gegen Stuttgart wie verwandelt auftraten. «Wir haben mit Leidenschaft gespielt, sind in die Zweikämpfe gegangen und haben viel Laufbereitschaft gezeigt», kommentierte Nationalstürmer Lukas Podolski, der nun schon seit mehr als 22 Stunden ohne Torerfolg ist, den Teilerfolg. «Jetzt kommen die Bayern, dann ist die obere Tabellenhälfte für uns abgearbeitet. Danach kommen die Spiele, in denen wir die Big Points machen müssen», blickte der 10-Millionen-Euro-Mann des FC auf die verbleibenden zehn Partien einer für ihn und seine eigenen hohen Ansprüche enttäuschenden Saison.